Autoskulpturenpark im Neandertal

„Mit welchem Blödsinn verleihe ich dem heutigen Tag eine besondere Couleur?“
Michael Fröhlich
Pünktlich stehe ich an einem grauen Sonntagmorgen im Herbst vor dem weißen Tor  im Neandertal 11 und lese beeindruckt die vielen dort angebrachten Hinweise. Ich bin mit Michael Fröhlich, dem Kultautohändler verabredet. Über die knarzende Sprechanlage stelle ich mich vor. Die Schwiegermutter des Hausherren öffnet mir freuÖlndlich und schon stehe ich staunend in der mit buntem Herbstlaub bedeckten Auffahrt.  Gleich links sehe ich die ersten Exponate des berüchtigten Autoskulpturenparks.
 
Fiat Topolino
Wie kommt man auf die Idee, 50 Karossen aus aller Welt Baujahr 1950 zu sammeln der Natur auszusetzen? Angestiftet hat ihn eigentlich sein Vater. „Junge, Du bist doch ein verrückter Kerl. Überleg Dir mal was Besonderes für Deinen 50. Geburtstag.“
Der vielseitige Autodidakt brauchte 20 Jahre, bis seine Vision pünktlich im März 2000 in eine autofantastische Welt umgesetzt war.
Mit dem weißen Jaguar XK 120 (rechts im Bild) fing alles an. Der Rennwagen wurde einst von Formel 1 Pilot Stirling Moss gefahren und fristete sein Dasein in einem Hühnerstall, bis Michael Fröhlich ihn fand, restaurierte und 1985 damit den Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring gewann.
Der silberne Porsche 356 mit der Startnummer 77 landete damals auf dem zweiten Platz. Fröhlich kaufte ihn dem holländischen Piloten ab, goss eine Steilkurve in seinen Park und stellte das Finish in einem stummen Rennen zur Erinnerung nach.
Der ehemalige Student der Rechtswissenschaften, der Philosophie und Sinologie konzentrierte sich jetzt auf Autodesign. International bekannt wurde er für die Neukonstruktion des Cobra-Sportwagens. Auch Keke Rosberg ist  stolzer Besitzer einer Phoenix Cobra im Wert von 250.000 €.
Nach einem Rennunfall schrieb der Selfmademan ein vielbeachtetes Fachbuch über die Cobra. Eine limitierte Anzahl von Büchern verzierte Fröhlich mit  einem Originalteil seiner verunfallten Cobra.
Weitere völlig verrückte, fern der Normalität anzusiedelnde Fahrzeugumbauten folgten und Fröhlich ging weltweit durch die Medien mit seinen Entwürfen. Im Jahr 2000 lud er anlässlich seines 50. Geburtstages 500 Gäste in den Skulpturenpark ein. Gekommen sind 1000. Es war ein rauschendes Fest. Die damals spontan zum Glascontainer umfunktionierte, orangefarbene Ente ist noch immer in diesem Automausoleum zu bestaunen.
                          
Der CITROËN Traction Avant (auf deutsch Vorderradantrieb) darf im Skulpturenpark natürlich auch nicht fehlen:
 
Das Fahrzeug wurde wegen seiner guten Straßenlage auch Gangsterlimousine genannt. Michael Fröhlich kaufte sie für 10.000 Mark und ließ sie stilecht mit einer Maschinenpistole durchsieben.
Auf der Anhöhe finde ich DEN Holden. Er ist das einzige Fabrikat, das jemals in Australien gebaut wurde. Die 100 % ige Tochterfirma von General Motors und ganzer Stolz von Down Under produzierte im Oktober 2017 das letzte Holden-Modell und schließt nun die Tore ihrer Fabrik in Adelaide.
 
Michael Fröhlichs Holden wurde von einem befreundeten Künstler bemalt. Die Aufschrift Holdenhasenholden ergibt  in Zusammenhang mit der Dame im Bunnykostüm ein interessantes Wortspiel: Hol-den-Hasen,-hol-den!
Der Opel Olympia, wegen der Olympischen Spiele in Berlin 1936 so benannt, kostete 1950  ca. 6.785 DM – das entspricht einem heutigen Preis von ca. 20.800 €. Zwei dieser Fahrzeuge begleiteten den 3075 km langen Fackellauf des Olympischen Feuers von Griechenland nach Berlin.
Inzwischen hat sich der Hausherr zu mir gesellt. Schnell sind wir in einer lebhaften Unterhaltung über Autos, Philosophie, Politik  und kommen vom sprichwörtlichen Hölzchen aufs Stöckchen. Nach einer ganzen Weile verabschieden wir uns, denn es ist Zeit für Fröhlichs Sonntagsritual: Die Sendung mit der Maus gucken!
Ich fotografiere weiter und rätsele das ein und andere Mal, was da eigentlich für ein Fahrzeug künstlerisch installiert wurde. Ohne wirklich Ahnung von Oldtimern und Autos zu haben, faszinieren mich die Schönheiten aus Blech und Stahl mit ihrem morbiden Charme.
Bei allen Fahrzeugen wurden die Betriebsstoffe abgelassen.  Die Motoren wurden entweder entfernt oder ausgeschäumt. Unter den Fahrzeugen befinden sich zusätzlich Auffangwannen. Die Natur hat Zeit, den Umweltschädling Nr. 1 des 20. Jahrhunderts zu bekämpfen.
Richterlich entschieden ist, das es sich nicht um einen ungenehmigten, wilden Schrottplatz, sondern vielmehr um eine Kunstinstallation handelt.
Zwischen zwei Bäumen eingeklemmt und mit diesen quasi mitwachsend fristet ein Goggomobil sein Dasein. Wie die anderen Oldies wurde er mit Seilwinden, Flaschenzügen und einem kleinen Traktor auf dem Grundstück in Position gebracht.
Den Borgward fand Michael Fröhlich in Rio de Janeiro, kaufte ihn für 2000 Mark und ließ ihn für einen vielfach höheren Betrag importieren. Die erste deutsche PKW-Neukonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg präsentierte als erster den Blinker statt der bis dahin üblichen Fahrtrichtungsanzeiger.
Mein liebstes Bildmotiv finde ich bei dem schwarzen Buick und dem goldenen Rolls Royce, der einst der Queen gehört haben soll.
Wieso soll? Sie sitzt ja immer noch am Steuer… Bei der aufblasbaren „Camilla“ auf dem Rücksitz neben Prinz Charles ist inzwischen wohl etwas die Luft raus. Die provokante Idee zu dieser Installation kam Fröhlich anlässlich der Veröffentlichung  brisanter Telefonmitschnitte zwischen dem damals noch mit Lady Di verheirateten Charles und Camilla.
Der gebürtige Berliner Michael Fröhlich ließ sich ein Stück Berliner Mauer in seinem Park nachbauen und konnte zwei echte Mauerkünstler für sein Projekt gewinnen. Christophe Bouchet und Thierry Noir verewigten ihre Kunstwerke samt Waschbecken und Pissoir noch einmal.
Die Originalstelle an der Berliner Mauer ist auf dem gerahmten Foto rechts neben dem Pissoir nicht mehr gut zu erkennen. Hier ein Fundstück aus dem Netz zum Thema:
 
Durch die Mauer getrennt steht der Mercedes Benz vom IFA Cabrio, mit dem Honeckers Enkelin einst fuhr.
Der halb eingegrabene Moskwitsch 401 repräsentiert den Untergang des Sowjetreiches.
Der Friedhof der 50er im Neandertal diente zahlreichen Fernsehproduktionen als Drehort.  Musikclips, Anmoderationen, das ZDF mit den Sendungen Hallo Deutschland und Aspekte, James Bond, der Tatort und viele andere waren schon da. Sogar das koreanische Fernsehen.
Inzwischen ist die Sendung mit der Maus vorüber. Heute ging es u.a. um die Herstellung von Gummistiefeln..und Michael Fröhlich macht sich an die Arbeit und schwingt den Laubsauger durch die Einfahrt. Rosi muss auch noch gefüttert werden. Ich darf im grünen Jaguar Platz nehmen für einen kurzen Abstecher in seine Oldtimer Agentur Fantastische Fahrzeuge in Mettmann.
Die gepflegte und sehr aufmerksame Wachhündin empfängt uns an ihrer Hütte „Rosis Rosenheim“ vor dem Showroom.
Mir fällt zuerst ein schwarzes Elektroauto auf. Diabolisch lächelt das Haifischmaul des Elektrus und böse ist er auch, der PG Elektrus. Der Zweisitzer kommt tatsächlich auch aus dem Hause Fröhlich. Der  E-Motor mit 150 Kilowatt Leistung bringt knapp 272 PS und lässt den sportlichen Wagen mit bis zu 300 km/h über den Asphalt jagen. Die Reichweite beträgt ca. 250 km, im Winter etwas weniger. Wie der Tesla ist er auf Lotus Elise Basis aufgebaut.

Während der Hochzeitsreise nach Sri Lanka im Jahr 2010 hat der Autodesigner Fachwissen gebüffelt und Ideen gesammelt und konnte eigentlich kaum abwarten, mit dem Bau zu beginnen.
Seit 6 Jahren ist der  Elektrus nun im Dauertest. Und wäre Brad Pit nicht die Trennung von seiner Angelina dazwischen gekommen, hätte er wohl auch  einen. Bestellt hatte er ihn schon.
Eine integrierte Soundanlage simuliert wahlweise den Klang eines V8-Motors oder den eines Formel 1 Fahrzeuges. Das Innenraumdesign erinnert allerdings eher an einen Kampfjet.
Mir persönlich hat es ja ein anderes Fahrzeug angetan:
Benziner, Automatikgetriebe, Grüne Plakette, und ein „paar“ von Hand aufgebrachte Swarowski-Steinchen – was will Frau mehr. Nur über den Preis müssten wir uns noch einig werden…
Die Rückfahrt treten wir in einem Original amerikanischen Polizeifahrzeug an.
Mit dem hier wäre ich auch gern mitgefahren:
Den 73er Rolls Royce Silver Shadow konnte Fröhlich aus dem brennenden Ladenlokal 2006 noch retten. Lack, Emily und die Reifen nahmen Schaden, aber der V8 Motor hat das Unglück gut überstanden und so fährt Fröhlich auch heute noch mit seiner, von ihm so getauften „Alltags-Schlampe“  durch die Stadt. Bevorzugt übrigens im Winter, weil der Wagen die beste Heizung hat.
Ein erlebnisreicher, trüber Herbsttag neigt sich dem Ende zu. Über Michael Fröhlich ließe sich noch einiges mehr schreiben. Mit jeder Menge Fotos und neuen Eindrücken im Gepäck verabschiede ich mich von Michael Fröhlich und seiner Schwiegermutter. Mein Tag im Neandertal hatte definitiv eine besondere Couleur!!
Die folgenden Schneefotos hat Herr Fröhlich  selbst beigesteuert. Im Schnee kennt man den Skulpturenpark eher weniger:
                                        
                                          
Zu guter Letzt: Michael Fröhlich macht seinem Namen bei den PS Profis alle Ehre: unbedingt sehenswert!

Hier noch ein schöner Bericht über das Autohaus:

 

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