Die Wartburg – Zeugin deutscher Geschichte

Für mein Besichtigungsprogramm in Eisenach hatte ich mir als ersten Höhepunkt die Wartburg ausgesucht. Der Parkplatz war um kurz nach 9 Uhr noch angenehm leer und der Shuttlebus brachte mich gegen Zahlung von 2 Silberthalern den nicht sehr langen aber doch steilen Weg bis zum Eingangstor der Burg. Ich habe ja Knie.

Im ersten Burghof verliebt sich meine Kamera schon in die verwinkelte Architektur, die mich ein kleines bisschen an Burg Eicks erinnert. Mein letzter Besuch ist aber schon etwas her…vielleicht sollte ich mal wieder hinfahren.

Auf der Suche nach den Ticketschalter verlaufe ich mich erstmal in den Museumsshop. Aber da bin ich falsch. Ich muss an der Lutherstube vorbei rechts den kleinen Weg in das nächste Gebäude hinein.

Natürlich nicht, ohne die Originalnachfahren der Tauben zu beobachten, die die damals vierjährige Elisabeth von Thüringen auf ihrem Hochzeitszug begleitet haben. Aber halt, das kann ich ja noch gar nicht wissen.

Die Führung beginnt in ein paar Minuten und die Gruppe ist angenehm klein zu dieser frühen Stunde.

Der Sage nach soll Ludwig der Springer die Gründung der Wartburg mit den folgenden Worten verkündet haben: „Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ Ihm gehörte das Land zwar nicht, aber er soll bei Nacht und Nebel Erde seines Grundstückes auf den Berg gebracht und ausgestreut haben. Somit baute er auf eigenem Grund und Boden. Die Rechtsprechung hat sich seit damaligen Zeiten wohl etwas verändert. Tatsächlich wird der Name wohl von Warte abstammen, was Wachburg oder Wärterburg bedeutet. Ludwig II. von Bayern nahm die Wartburg als Vorbild für sein im Allgäu gelegenes Schloss Neuschwanstein.

Einige berühmte Personen lebten und wirkten auf der Burg. Die bereits erwähnte Heilige Elisabeth ebenso wie Martin Luther und Johann Wolfgang von Goethe. Wagner ließ sich zu „Tannhäuser“ inspirieren. Die Burg war Schauplatz des sagenhaften Sängerkrieges und des studentischen, geschichtsträchtigen Wartburgfestes 1817, bei dem an den 300. Jahrestag des Thesenanschlages von Luther und die Völkerschlacht bei Leipzig gedacht wurde. Es war auch eine Protestkundgebung gegen reaktionäre Politik und Kleinstaaterei und für einen Nationalstaat mit einer eigenen Verfassung.

1848 gab es ein zweites Wartburgfest.

Mit der Elisabethkemenate mit Mosaiken aus Elisabeths Leben und dem großen Festsaal besitzt die Wartburg zwei außergewöhnlich prunkvolle Räume, die ihres gleichen suchen. Gemälde von Lucas Cranach, Plastiken von Tilmann Riemenschneider, wertvolle Wandteppiche, historisches Mobiliar und einmalige Fresken – die unterhaltsame Führung gibt ausreichend Zeit, alles ausgiebig zu bewundern.

                 

So ist die eine Stunde schnell vorbei. Es ist ein schöner sonniger Frühlingstag, aber der Wind zieht doch noch recht kalt durch meine Kleider und ich wärme mich bei einer Tasse Milchkaffee im Burgcafé auf, bevor ich zur Lutherstube hochsteige, um den berühmtesten Tintenkleks der Welt zu sehen. Luther hatte nach eigenen Angaben den Teufel, der ihn belästigte, mit einem beherzten Wurf des Tintenfasses vertrieben.

               

Der Beweis musste regelmäßig nachgefärbt werden, da die dunklen Putzstücke begehrte Andenken darstellten. Heute wird er ganz modern und diebstahlsicher an die Wand der lutherischen Schreibstube projiziert.

Es war mein zweiter Besuch auf der Burg, die nichts an Schönheit und Faszination verloren hat.

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