Edinburgh Castle

Die Hauptsehenswürdigkeit Edinburghs ist unzweifelhaft Edinburgh Castle. Über 1 Millionen Besucher zählt das geschichtsträchtige und weithin sichtbare, über Jahrhunderte entstandene Gebäudeensemble auf dem Plateau eines erloschenen Vulkans.

Die Besichtigung beginnt auf der Esplanade, dem weitläufigen Vorplatz.  1753 wurfe er als Paradeplatz der Garnison und auch als Richtplatz angelegt. Seit 1950 findet dort alljährlich im August das weit über die Landesgrenzen bekannte Royal Edinburgh Military Tattoo statt.

Ich konnte mich an dem weitläufigen Blick über die Stadt auf beiden Seiten des Platzes kaum satt sehen.

Am Torhaus wachen seit 1929 die Statuen von Robert Bruce, 1306 – 1329 König von Schottland und William Wallace, dem legendären, 1305 in London wegen Hochverrats hingerichteten, schottischen Freiheitskämpfers.

Darüber prangt das Symbol für den schottischen König, ein rote Löwe auf goldenem Feld mit dem Wahlspruch der Stuarts „Nemo me impune lacessit“ – „Niemand reizt mich ungestraft“.

 

Nach den Ticketschaltern und dem großen Museumsshop im alten Wachhaus geht es durch das nach 1570 eingebaute Fallgittertor, hinter dem Audioguides auch in deutscher Sprache kostenlos ausgeliehen werden können.

Eine 70 Stufen lange Treppe führt linker Hand zu den höher gelegenen Gebäuden und war im Mittelalter Hauptzugang zum Schloss.

Ich entscheide mich für einen etwas sanfteren Anstieg über den Pflasterweg und sehe mich zunächst auf der Argyle Battery um. Der Ausblick ist noch spektakulärer als von der Esplanade. 6 Kanonen, benannt nach dem 2. Herzog von Argyll, symbolisieren, dass das Edinburgh Castle auch heute noch Verteidigungszwecken dient.

 

Langsam wird es voll auf der Mill´s Mount Battery. Die Besucher warten auf den Böller aus der One O´Clock Gun. Seit 1861 wird jeden Mittag pünktlich, außer sonntags, dem 1. Weihnachtsfeiertag und Karfreitag, ein Kanonenschuss abgegeben, der den Seeleuten früher bei der Navigation im Firth of Forth gedient hat. Der Sprecher im Audioguide erklärt launig, warum man die Kanone um 1 Uhr abfeuert und nicht etwa um 12.00 Uhr. Das habe mit der schottischen Sparsamkeit zu tun. Warum 12 Kugeln, wenn auch eine reicht.

Nach diesem kurzen Intermezzo führt mich der abfallende Weg zum National War Museum. Vor dem Eingang hat die große Reiterstatue des Feldmarschalls Douglas Haig (1861 – 1928), der im 1. Weltkrieg Oberbefehlshaber an der Westfront war, seinen Platz gefunden. Nach dem Krieg wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben und erhielt den Titel Earl of Haig. Seine Statue stand ursprünglich auf der Esplanade, wo sie den Tribünen für das Military Tattoo weichen musste.

Das Museum zeigt Waffen, Orden und Uniformen und beschreibt die schottische Kriegsgeschichte ab dem 17. Jahrhundert.

 In der ehemaligen Wagenremise ist heute das Redcoat Cafe untergebracht, wo ich bei Kaffee und Kuchen kurz verschnaufe.

 

Als nächstes stehen die beiden Regimental Museen auf dem Besichtigungsprogramm.

Hier erfahre ich alles Wissenswerte über die beiden ältesten Regimente des Landes, die schottische Dragonergarde und der königlich schottischen Garde (Royal Scots)

 

Ich folge dem ansteigenden Weg durch das Foog Gate, welches Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurde.

Ich erkunde kurz den Whiskyshop und widme mich dann dem wohl ältesten Gebäude Edinburghs, der kleinen St. Margrets Chapel. König Malcome und seine Frau Margret residierten im 11. Jahrhundert auf dem Castle. Als Malcome und ihr Sohn Edward in einem Hinterhalt gelockt und getötet wurden, starb Margret wenige Tage später an gebrochenem Herzen. 12050 wurde sie heiliggesprochen. Ihr Sohn David ließ die kleine Steinkapelle ihr zu Ehren im Jahre 1130 erbauen. König Victoria gab aufwendige Renovierungsarbeiten in Auftrag. Ein Buntglasfenster zeigt u.a. die Heilige Margret und William Wallace.

Auf dem Vorplatz kann man einen Blick auf den tiefer liegenden Friedhof für Regimentshunde und Haustiere der Soldaten werfen, den Pet Cemetry.

Hier steht auch die berühmte Kanone Mons Meg. 6000 kg schwer wurde sie 1457 im belgischen Mons gegossen, Sie konnte Steinkugeln fast 3 km weit schießen. 1558 feuerte sie Salut zu Ehren der Hochzeit Maria Stuarts. Zuletzt wurde sie 1681 anlässlich der Geburtstagsfeierlichkeiten des späteren Königs James VII/II abgefeuert. 1754 wurde sie nach London entführt, Der Schriftsteller Sir Walter Scott verhandelte mit König Georg IV über die Rückgabe, die am 09.März 1829 feierlich erfolgte. Seither steht sie an dieser Stelle.

Ich werfe einen Blick auf den Argyle Tower, der obere Teil des Falltores, durch das ich die Burg betreten habe. Er ist nach dem 9. Grafen von Argyll benannt, der dort seine letzte Nacht verbracht haben soll, bevor er hingerichtet wurde.

Auf der Forewall Battery befindet sich der für Belagerungen des Schlosses so wichtigen Brunnen für Trinkwasser. Das Schloss war einer der meist belagerten Orte in Großbritannien, wurde oft erobert und zurück erkämpft.

Auf der Half-Moon Battery mache ich einen Fotostopp.

 

 Ich gelange nun auf den Crown Square aus dem 15. Jahrhundert. Der Platz wird vom Königspalast, dem großen Saal, dem Queen Ann Gebäude und der Kriegsgedenkstätte eingerahmt.

Der Königspalast war vom 11. bis ins 17. Jahrhundert Königsresidenz. Maria Stuart zog nach der Geburt ihres Sohnes Jakob, dem späteren König James VI in die komfortableren Räumlichkeiten des Holyroodhouse Palastes, der fußläufig am anderen Ende der Royal Mile zu finden ist.

Jakob Stuart war Ururenkel von Heinrich VII. und aufgrund der Kinderlosigkeit von Elisabeth I. wurde er 1603 als James I. auch König von England.

Ich bestaunen die Royal Apartments. Enge, überraschend wenig prunkvoll dekorierte Räume mit verzierten Kaminen. Nach den Schlafräumen von Maria Stuart werfe ich einen Blick in die holzgetäfelte kleine Geburtskammer Ihres Sohnes, der im Alter von nur einem Jahr zum König gekrönt wurde, weil seine Mutter abdanken musste.

 

Auf dem Weg zum Crown Room wird die schottische Geschichte mit lebensgroßen Figuren nachgestellt. Im Crown Room wurden die Kronjuwelen ausgestellt, die  1818 von Sir Walter Scott wiederentdeckt wurden, nachdem man sie 1651 zunächst zum Schutz vor Plünderung vergraben, 1707 anlässlich des Act of Union zwischen Schottland und England dann weggeschlossen und über die Jahre tatsächlich vergessen hatte.

Die Kronjuwelen bestehen aus den königlichen Insignien Krone, Zepter und Staatsschwert und wurden erstmals zusammen bei der Krönung von Maria Stuart verwendet.

Der Stone of Destiny (Stein der Vorhersehung, Bestimmung), also der Krönungsstein hätte sicher Geschichten zu erzählen.. wenn er denn könnte. Aber manche Steine können ja bekanntlich nur klingen.  Es ranken sich verschiedene Legenden um den 152 kg schwere rote Sandstein. Bereits ab dem frühen Mittelalter spielte er eine wichtige Rolle bei den Krönungszeremonien in Scone bei Perth. Jeder werdende König wurde von einem Adligen zum Stein geführt und auf ihm sitzend oder stehend gekrönt. 1296 kam er als Kriegsbeute nach London und wurde unter dem Krönungsstuhl der Westminister Abbey eingebaut, so dass nach den schottischen nun auch die englischen Könige auf ihm gekrönt wurden. 1950 entführten schottische Studenten den Stein. Auf dem Weg nach Schottland zerbrach der Stein und wurde heimlich repariert. Er wurde 800 km entfernt gefunden nach London zurückgebracht. Königin Elisabeth und Premierminister John Major gaben ihn 1996 feierlich an die Schotten zurück. Eine Zeitung titelte damals: Die Schotten baten um ein eigenes Parlament und John Major gibt ihnen einen Stein.

 Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es weiter in den großen Saal, der ab 1512 als Zeremoniensaal gedient hat. Durch eine eisenvergitterte Öffnung neben dem Kamin konnte der König ungesehen Versammlungen beiwohnen. Die Holzdecke verdient wohl besondere Beachtung. Oliver Cromwell ließ den Saal in eine Kaserne umwandeln, nachdem er das Schloss 1650 eingenommen hatte.

 

Als nächstes sehe ich mir die Nationale Kriegsgedenkhalle aus dem Jahre 1920 an, die ich von außen irrtümlich für eine Kirche gehalten hatte. In ihr wird den im 2. Weltkrieg Gefallenen gedacht. Das Fotografieren ist hier wie im Crown Room nicht erlaubt.

Schon ganz schön erschöpft von den vielen Eindrücken, die das Castle für mich bereit hielt, schlage ich noch den Weg zu den tiefer liegenden Gefängnissen auf dem Dury´s Battery ein. Das Militärgefängnis unter dem Crown Square wurde 1842 für straffällige Soldaten eingerichtet. Inhaftiert wurde z.B., wer betrunken Wache hielt. Die Gefangenen wurden mit körperlich schwerer Arbeit beschäftigt, so ließ man sie u.a. Kanonenkugeln hin und her tragen.

Letzte Station für heute sind die Gewölbe des ehemaligen Kriegsgefängnisses. Eindrucksvoll wird vom Alltag der Gefangenen, größtenteils Seefahrern berichtet.

Auf  dem Weg aus der  Burg heraus fallen mir noch einmal die vielen schön verzierten, schwarz-goldenen Regenrinnenkasten mit den unterschiedlichen königlichen Initialen auf.

Im Internet wird die durchschnittliche Verweildauer im Castle mit 2 Stunden angegeben. Ich habe locker die doppelte Zeit dort verbracht. Wer weniger Zeit und nicht so viel Interesse an schottischer Militärgeschichte hat, könnte sich auf die Gebäude rund um den Crown Place, die Aussichten auf die Stadt und die Gefängnisse konzentrieren.

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