Ein Wochenende in Leipzig

„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Vom Flughafen Leipzig in die Innenstadt ist es ein Katzensprung. Nach 15 Minuten steige ich am Hauptbahnhof aus der S-Bahn. Für zwei Nächte habe ich mir ein Apartment von Trafford Sky Homes in der Nikolaistraße 20 gebucht. Es liegt im Oelßners Hof und ich mache gleich  Bekanntschaft mit den zahlreichen Höfen und Passagen in Leipzig. Ende des 19 Jahrhunderts entstanden innerstädtische Messehäuser, für die oft alte Durchgangshöfe genutzt wurden. 

Im Innenhof finde ich nicht nur eine Bäckerei und ein Restaurant, sondern auch einen Penny-Markt. Und die Schokoladenbar Quetzal! „Schokolade ist fassbar, greifbar und vor allem essbar gewordenes Glücksgefühl.“  Auch der Kaffee ist sehr lecker!

Mein Apartment befindet sich im 4. Stock. Die Zugangscodes für Haus- und Wohnungstür gibt es per E-Mail kurz vor der Anreise. Die Wohnung ist modern und stilvoll eingerichtet und ich fühle mich sofort wohl.

Ich habe zwei spätsommerliche Sonnentage erwischt und kann mich von der Dachterrasse im 6. Stock kaum trennen, so schön.

 

Mein Blick schweift über die Nikolaikirche zum Rathausturm, ein paar hohe Häuser und den Glockenmännern am Krochhochhaus, die ich leider nur von hinten sehen kann. Nach venedischem Vorbild schlagen die Glockenmänner alle 15 Minuten die Glocken an. Die dritte Glocke wird übrigens von innen angeschlagen.

 Mit der Stadtbesichtigung beginne ich in der nahen Nikolaikirchedie vielen aus dem Herbst 1989 bekannt sein dürfte. Hier begann mit den Montagsdemonstrationen die friedliche Revolution der DDR, die mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung endete.

Mit dem Bau der Nikolaikirche wurde 1165 begonnen. Im Mai 1539 leitete Luther die Reformation Leipzigs ein. 1724 führte Johann Sebastian Bach seine Johannespassion in der Nikolaikirche zum ersten Mal auf.

Mir haben die aufwendigen Palmsäulen im Innenraum gut gefallen, von denen eine auch auf dem Kirchenplatz steht.

Ich lasse mich weiter durch die Straßen treiben und komme zum Zeitgeschichtlichen Forum.

Es hat geöffnet, der Eintritt ist frei – also gibt es keine Ausreden: die multimediale Dauerausstellung gibt Einblicke in die Geschichte der DDR und konzentriert sich dabei auf den Widerstand in der Sowjetischen Besatzungszone von 1945 bis 1989.

Mir geht es hier wie im Haus der Geschichte in Bonn. Die Vielzahl an interessanten Informationen kann ich gar nicht auf einmal erfassen. Daher werde ich die Ausstellung bei meinem nächsten Besuch ein zweites Mal aufsuchen.

Blick aus dem Museum

Mein Magen knurrt vernehmlich, als ich am bemerkenswerten Rathaus mit dem Rattenfängerbrunnen vorbei komme. Im früheren Weinkeller des Rates ist heute neben der eigenen Biermanufaktur auch ein Restaurant mit gutbürgerlich sächsischer Küche untergebracht. Während ich auf Speis und Trank warte, lese ich etwas über die Historie des Ortes nach. Auf den Mauern der Pleißenburg errichtete die Stadt zwischen 1899 und 1905 den imposanten Rathauskomplex, der den Wohlstand der Messestadt verkörpern sollte.

Auf der Internetseite des Ratskellers heißt es: In der Einweihungsschrift zum Rathaus sind folgende Zeilen eines namentlich nicht genannten Leipzigers enthalten: „Wenn sich also eine mächtig aufstrebende Großstadt in dem Vollgefühl ihrer Kraft ein stolzes neues Rathaus erbaut und darin nach alter Sitte wieder einen Ratskeller einrichtet, so ist das durchaus keine unzeitgemäße, altertümelnde Schrulle. Die Zeiten freilich sind vorüber, wo der Rat jeden namhaften Fremden […] mit einem Ehrentrunk begrüßen konnte. Aber eins ist auch heute noch möglich: dass die Bürgerschaft […] Gastfreundschaft übt, indem sie in dem Hauptgebäude der Stadt, im Rathause, eine gastliche Stätte schafft, wohin den Fremden das sichere Gefühl begleitet, dass er hier »gut aufgehoben« sei. Darum kehren alle deutschen Großstädte, wenn sie sich ein Rathaus bauen, mit Recht zu der guten alten Sitte des Ratskellers zurück und wetteifern darin, diese gastliche Stätte vornehm und würdig, gediegen und behaglich auszustatten.“

Tag zwei habe ich für die „Runden Ecke“ reserviert. In der Gedenkstätte ist die Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ zu sehen. Der Eintritt ist frei, aber man kann sich für 5,00 € einen Audioguide ausleihen, was sich absolut lohnt. Es gibt viel Informationen rund um die Exponate und auch mal was zum Schmunzeln zwischendurch.

Das Gebäude von 1913 war zunächst Geschäftshaus einer Versicherung. Nach dem zweiten Weltkrieg nutzte zuerst die US-Armee, das Innenministerium der Sowjetunion und schließlich 40 Jahre lang die Staatssicherheit das Gebäude.  

Im Rahmen der Montagsdemonstrationen wurde es am Abend des 4. Dezember 1989 von Demonstranten besetzt.

Auf der Internetseite http://www.runde-ecke-leipzig.de/ heißt es zutreffend:

Linoleumfussboden, gelbbraune Tapeten, Scherengitter an den Türen und Fenstern, Kabelkanäle und alte Heizkörper sind noch im gesamten Museum zu sehen. Geschichte wird hier sicht- und greifbar.

In Internetforen lese ich oft: „Mensch, es war doch nicht alles schlecht damals!“ Ich selbst kann und darf das nicht beurteilen. Für den Alltag Einiger und in der Erinnerung Vieler wird das zutreffend sein. Ausstellungen wie diese arbeiten „Gegen das Vergessen“ – aus meiner Sicht eine ganz wichtige Arbeit.

Die neu gewonnenen Erkenntnisse muss ich erstmal verarbeiten. Ganz in der Nähe ist die Flaniermeile Barfußgässchen zu finden, wo ich den Tag gemütlich ausklingen lasse.

 Am letzten Tag stehen noch zwei Punkte auf meinem Programm: Zwischen meinem Apartment und dem Hauptbahnhof liegt das Kriminalmuseum des Mittelalters.

Die Ankündigung „180 original Ausstellungsstücke, welteinmalige Ausstellung mit Selbstversuch an einigen Foltergeräten“ macht mich neugierig.

Für 5,50 € laufe ich durch verschiedene Ausstellungsräume. Die Exponate sind wirklich sehenswert. Allerdings gibt es viel zu lesen. Ehrliches Fazit: Interessant, aber das Museum zählt nicht zu meinen Leipzig-Highlights.

 Zum Abschluss meines Wochenendes habe ich mir die bekannteste Gaststätte Leipzigs aufgehoben: Auerbachs Keller.

Zur gutbürgerlich sächsischen Küche genieße ich ein hausgebrautes dunkles Bier.

Szene in Auerbachs-Keller
Aus Goethes Faust
Die Studenten von Mephisto verzaubert

 Goethe war hier, weil man schon lange vor seiner Zeit zu sagen pflegte:

 „Wer nach Leipzig zur Messe gereist, ohne auf Auerbachs Hof zu gehen, der schweige still, denn das beweist: Er hat Leipzig nicht gesehn.“

 So kann ich jetzt also behaupten, Leipzig gesehen zu haben. Aber noch lange nicht alles. Ein Wochenende war viel zu kurz!

Liebe Leipziger und Leipzigkenner, was fehlt zwischen A wie Ägyptisches Museum und Z wie Zoo auf meiner Liste? Was muss ich mir unbedingt noch ansehen, wo einkehren?

Ich freue mich auf Eure Insidertipps!

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