Heilstätten Beelitz

Lost Place und beliebte Kulisse für Musikvideos und Filme

„Ich muss ganz ehrlich sagen, an meinem Drehort, wo der Part mit dem Bett aufgenommen wurde, bin ich erst einmal rückwärts wieder raus gegangen, weil es mir doch eine Spur zu hart war. Es handelte sich wirklich um ein altes Bett, das sie dort im Keller gefunden hatten und die Matratze kam ebenfalls aus einer dunklen Ecke im Keller. Ganz ehrlich, das war das Widerlichste, auf dem ich jemals gelegen habe!“ Alea, Saltatio Mortis (Quelle)

Neben Saltatio Mortis fand auch die Band Rammstein in diesem Lost Place eine beeindruckende Kulisse für Musikvideos.  In der einst größten und modernsten Tuberkulose Heilstätte der Welt wurden die Videos zu „Mein Herz brennt“ und „Wo sind die Clowns“ gedreht. Ein interessantes  Making Of zum Rammstein Video findest Du unten.

Mit go2know kann man das Privatgrundstück legal besuchen. Es gibt verschiedene Touren. Ich entschied mich für die siebenstündige Fotobase – genügend Zeit um das große Areal ausgiebig erkunden zu können – dachte ich!

Pünktlich um halb 9 ging es auf dem Parkplatz des Belitzer Heilstätten Bahnhofs los. Zu Fuß liefen wir zum südlichen Teil mit Badehaus, Verwaltungsgebäude und Männerhaus. Ungefähr 50 Fotobegeisterte waren es an diesem Tag und insgeheim fürchteten glaube ich alle, das wir uns gegenseitig im Weg stehen würden. Aber die Sorge erwies sich als unbegründet. Die „Masse“ verläuft sich gut im großen Gelände und den verwinkelten Gebäuden. Außerdem nehmen die meisten Rücksicht – und die Zwei, die selbstbewusst in jedes Foto laufen oder lange im Motiv stehen bleiben, müssen eh immer dabei sein.

Kurz etwas zur Geschichte der Heilstätten: Ende des 19. Jahrhunderts litt fast jeder dritte Berliner an der Lungenkrankheit Tuberkolose. Viele starben daran. Die Landesversicherungsanstalt Berlin ließ auf 200 Hektar 60 Gebäude errichten. Nördlich der Bahnlinie befanden sich die Lungenheilstätten, südlich wurden die nicht ansteckend Erkrankten untergebracht. Alles streng nach Geschlechtern getrennt: auf der westlichen Seite der Landstraße jeweils die Frauen, auf der östlichen die Männer. Entlang der Landstraße sind noch kleine Häuschen zu sehen. Hier wurden zur Vermeidung einer Ansteckung Waren unterirdisch angeliefert.

Bei den Heilstätten wurde nicht gespart. Hochwertige Fliesen von Villeroy und Boch wurden fast fugenlos verwendet. Runde Ecken sollten das Ansammeln von Keimen verhindern und hochklappbare Heizkörper erlaubten eine gründliche Reinigung. Man unterschätzte nicht die Selbstheilungskräfte der Patienten, deshalb wurden die lichtdurchfluteten Patientenzimmer in hellen freundlichen Farben gestrichen. Große Balkone und sogenannte Wandelhallen ermöglichten das Luftkuren.

Trotz des teilweise schlimmen Zustandes der Gebäude kann man die einstige Schönheit der Heilstätten noch erkennen. Die Gebäude wurden durch Fernwärme geheizt. In den beiden Weltkriegen dienten die Gebäude der Versorgung verwundeter Soldaten. 1945 wurde das Gelände von der Roten Armee übernommen. Aus dieser Zeit stammt das Denkmal im Südteil:

Von Dezember 1990 bis zu seiner Ausreise nach Moskau im März 1991 war der an Lungenkrebs erkrankte Erich Honecker hier Patient.

Nach der Wende standen die Gebäude lange Zeit leer und verfielen. Folge waren leider auch massive Vandalismusschäden. Die Gebäude wurden verkauft, aber der Besitzer ging in die Insolvenz.

Nach und nach finden sich nun neue Eigentümer und Nutzungen für die Grundstücke.  Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange die Heilstätten in der jetzigen Form noch zu besichtigen sein werden.

Die Morde: 1991 stranguliert ein Serienmörder 800 Meter von den Heilstätten entfernt die 34 jährige Tamara Petrokowa und  tötet ihr drei Monate altes Baby. 2008 ermordete ein Fotograf sein 20 jähriges Modell in einer nahen Ferienwohnung. 2011 erhängte sich ein  59 jähriger Obdachloser in der ehemaligen Wäscherei.

Die Schönheit des Verfalls und vermutlich auch die Nähe zu den Filmstudios in Babelsberg ließen die denkmalgeschützten Bauten schon oft zum Drehort werden. Deshalb wirken einige Räume weniger verfallen als andere. Die Filmleute beseitigten zentnerweise Schutt und gönnten dem ein und anderen Raum eine oberflächliche Renovierung – immer unter den strengen Augen der Denkmalschutzbehörde.

An den zuletzt hier gedrehten Film A Cure for Wellness Trailer erinnert noch dieses Waschbecken:

Diese Terrasse nutzte Detlef Buck 1996 für die Szenen in der Senioren Residenz in  seinen Film Männerpension:

Das Treppenhaus aus Der Pianist von Roman Polanski, 2001 gedreht in der Chirurgie und im Verwaltungsgebäude:

Operation Walküre mit Tom Cruise wurde u.a. im  Zandersaal gedreht:

Im Badehaus wurden für den Film 2009 Teile der oberen Etage gestrichen und in eine Lazarett-Kulisse verwandelt.

Der Flur aus dem 2012 er Drama Lauf Junge, lauf:

Das Badehaus und die Wäscherei wurden ein polnisches Krankenhaus.

Das Klavier im Badehaus ist nach dem Dreh für den (sehr speziellen) Kurzmusikfilm Seven Death of bird geblieben.

Rammstein nutzte ebenfalls das Badehaus:

 

aber auch den Untersuchungsstuhl

Bei Saltatio Mortis habe ich u.a. das alte Kino im Whitney Houston Haus wiedergefunden:

Sieben Stunden haben dann doch nicht gereicht. Ich werde ein zweites Mal kommen, mir die Chirurgie bei einer Führung (beim Baumkronenpfad buchen) und die Wirtschaftsgebäude ansehen. Das Fotografieren ist übrigens aufgrund der Lichtverhältnis in den Gebäuden gar nicht so einfach und hat mich und „Maschiene“ an die Grenzen gebracht.

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Ende Dezember schaue ich mir die Neue Hakeburg in Berlin an, denn die wird meines Wissens ab 2018 nicht mehr zu besichtigen sein. Warst Du schon da und hast Infos oder Tipps für mich?

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