Mythos-Tour auf Schalke mit Oli4

Pünktlich um 10:04 Uhr führt uns Olivier Kruschinski in die katholische St.-Joseph-Kirche in der Grillostraße. Wenn ich über die Kurt-Schuhmacher-Straße fahre, bin ich schon oft an ihr vorbeigekommen. Bisher habe sie noch nie an einem Heimspieltag gesehen. Dann trägt sie nämlich blau-weiß und lädt Besucher ab 10.00 Uhr ein, hereinzuschauen und dem hektischen Alltag für ein paar Minuten zu entfliehen. Sei es auf eine Tasse Kaffee und ein nettes Schwätzchen über Gott und die Welt des Fußballs, oder um sich zwei wirklich außergewöhnliche Kirchenfenster, den dekorierten Altar und die Schalke-Wand anzusehen.

            

Der Protestant und Zechengründer Friedrich Grillo (1825-1888) stellte einst Grundstück und Mittel für den 1888 eingeweihten Kirchenbau zur Verfügung. Nach ihm ist auch die Grillostraße benannt. Wir werden seinem Namen noch öfter begegnen.

Noch einmal zurück zu den Kirchenfenstern: die Heilige Barbara darf als Schutzpatronin der Bergleute natürlich nicht fehlen. Und dann ist da noch das Fußballfenster aus dem Jahr 1960 mit dem heiligen Aloisius auf der „Männerseite“ der Kirche. Der Patron der männlichen Jugend erscheint in Fußballschuhen, blau-weißen Stutzen und mit blau-weißem Fußball!

           

Gegenüber der Kirche steht eine Kopie der Büste von Friedrich Grillo, die einst den Grillo Brunnen auf dem Schalker Markt zierte. Leider steht zur Zeit ein Bauzaun halb davor – das ginge bestimmt auch schöner und würde dem Industriepionier, dem die Stadt sehr viel zu verdanken hat, nicht den „Blick“ auf seine Kirche versperren. Aber vielleicht erstrahlt der Grillo-Platz ja bald in neuem Glanz – der Bauzaun lässt zumindest hoffen.

                      

Grillo gründete die Zeche Consolidation (auch kurz Consol genannt) und machte sie zu einer der größten Zechen in Europa mit zeitweise fast 6000 Arbeitern. Aus dieser Arbeiterschaft rekrutierte sich lange Zeit der Spielerkader des jungen Fußballclubs Schalke 04.

Über die einst belebte Schalker Straße, die seit dem Bau der Berliner Brücke ein eher traurig anmutendes Schattendasein führt, gelangen wir zu DEM Schalker Markt, dessen Mythos die Schalker regelmäßig besingen. Viele, die eine weitere Anreise zum Stadion haben, werden diesen Platz gar nicht kennen. Und wenn man dann dort steht, fällt es einem schwer, hier das Besondere zu erkennen. Aber dafür hat man ja eine Mythos-Tour bei Oli gebucht. Außerdem haben seine Supporters 2015 mit der Aufstellung einer Tafel mit alten Stadtansichten dafür gesorgt, dass der frühere Glanz der prächtigen Bürgerhäuser und Geschäfte nicht ganz vergessen wird. Ernst Kuzorra hatte hier seinen ersten Tabakladen, sein Schwager und Mannschaftskollege Fritz Szepan ein Textilgeschäft und auch das Vereinslokal Thiemeyer war am Schalker Markt zu finden, bis die Stadt bei den Bombenangriffen 1944 in Schutt und Asche gelegt wurde.

     

Über die Berliner Brücke geht es auf die Schalker Meile und zum Projekt Gehweg der Legenden. An den Häuserwänden entlang der Kurt-Schumacher-Straße erinnern bereits einige Tafeln an die ganz großen Schalker. 

Next Stopp Glückauf-Kampfbahn. Bis 1973 war es ein Bundesligastadion mit zum Teil 70.000 Zuschauern. Heute hat dieser denkwürdige Ort auch eher den Charme eines Lost Place, aber mit ein bisschen Fantasie kann man die Jubelschreie noch hören. Auf zwei Bildtafeln erinnern die Supporters an bessere Stadionzeiten.

Letzte Station unseres Spaziergangs ist der Friedhof Rosenhügel. Wir statten den Gräbern von Kuzorra und Szepan, die in Sichtweite voneinander liegen, einen Besuch ab.

     

Nach 3,5 Stunden endet die Tour, aber der Mythos lebt weiter.

Olivier Kruschinski, der Schalke tatsächlich lebt, versteht es, seine Gäste wortgewandt, pointenreich und mitreißend auf eine intensive Reise in die Vereins- und Stadtgeschichte mitzunehmen.

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten!“

Wer nicht mit auf Tour gehen kann, die Informationen zu diesem Spaziergang nachlesen und vertiefen oder einfach nur ein tolles Buch kaufen möchte, dem lege ich den

Fußballreiseführer Schalke erleben – Ein königsblauer Streifzug durch Gelsenkirchen von Olivier Kruschinski

ans Herz. Da stehen noch einige Stationen mehr drin, die es zu entdecken gilt. Gibt es für 14,90 € bei Oli selbst oder bei Amazon.

Provision bekomme ich übrigens leider keine und mein Exemplar habe ich auch selbst gekauft .

Für die Tour an den Heimspieltagen kann man sich unter https://www.mythos1904.de/ anmelden. Kosten 15,00 €. Und wenn wir schon bei der Werbung sind: Nach der Tour ein gepflegtes GE-Bräu  im Quartiersbüro auf der Schalke Meile und der Heimsieg ist anschließend doppelt so schön. Okay, wir hatten mit Bremen leider kein Spielglück, aber dank Oli und den anderen Gästen der Tour war es doch ein unvergesslicher und schöner Heimspieltag.

Glückauf!

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