Zeche Zollern in Dortmund – das Neuschwanstein im Ruhrgebiet

Meine Tour de Ruhr führt mich diesmal auf Zeche Zollern, liebevoll auch Schloss der Arbeit genannt. Schon auf dem Parkplatz fällt mir die für eine Industrieanlage außergewöhnlich schöne Architektur auf. Vor dem Tor auf der linken Seite steht noch das Steigerhaus. Die leitenden Arbeiter wohnten damals direkt vor den Toren der Zeche.

Wie der Bergmann früher betrete auch ich die Anlage durch die Meldehalle. Bei Schichtbeginn nahm der Arbeiter eine Marke mit seiner persönlichen Nummer entgegen und gab sie beim Verlassen wieder ab. Dies diente zum Einen der Erfassung seiner Arbeitszeit. Zum Anderen wurde so kontrolliert, ob ein eventuell verunglückter Bergmann gesucht werden musste.

Nach dem Kassenhaus halte ich mich rechts und fange meine Besichtigung in der Dauerausstellung an, die in der früheren Lohnhalle mit Magazin, Waschkaue und Lampenstube untergebracht ist.

Die Waschkaue, unterteilt nach Schwarzkaue für die Arbeitskleidung und Weißkaue für die Straßenkleidung, war Umkleide- und Waschraum. Die Straßenkleidung wurde in Körben unter die Decke gezogen, damit die Kaue regelmäßig gründlich gereinigt werden konnte.

Die Ausstellung selbst ist in folgende Bereiche unterteilt:

Keine Herrenjahre – Arbeit und Freizeit im Revier

Sauber und Gesund – Hygiene und Gesundheitsvorsorge im Ruhrbergbau

Ein Licht in der Nacht – das Geleucht des Bergmanns

Explosionsgefahr – Grubenrettungswesen und Versuchseinrichtungen (im Keller)

Im „Capitol“ wird regelmäßig der Film: „Mein Freund wird Bergmann“ gezeigt – mit dem Steigerlied geht es los.

Gegenüber der Lohnhalle liegt das ehemalige Verwaltungsgebäude der Zeche mit einer interessanten Ausstellung zur Betriebsgeschichte der Zeche Zollern.

So viel Information will verdaut werden. Nach dem Besuch im Restaurant Pferdestall flüchte ich frisch gestärkt vor dem einsetzenden Nieselregen in die Maschinenhalle. Leider ist das kunstvolle Vordach nicht mehr erhalten, aber die Jugendstilfassade spiegelt noch die frühere imposante Pracht.

Die Halle erinnert fast schon an eine Kathedrale. Kesselhaus und Maschinenhalle waren das Energiezentrum, also das Herz der Zeche. Im Kesselhaus wurde der Dampf produziert, der die Generatoren in der Maschinenhalle angetrieben hat. Zwei riesige Fördermaschinen sorgten für den Transport von Mensch und Kohle.

Die Instrumente in der großen Marmortafel (!) dienten der Überwachung und Steuerung der Maschinen durch den Tafelwärter.

Ganz links in der Halle gibt es etwas versteckt noch einen Raum, in dem ein kurzer Film zur Architektur der Zeche gezeigt wird.

Nach der Maschinenhalle geht es rauf auf den Förderturm von Schacht II. Wer möchte, kann sehr weit aufsteigen. Mir reicht allerdings angesichts des nun kräftigen Regens die erste Plattform im Freien. Ein toller Überblick über das Gelände!

Die Kohle wurde zu Tage gefördert und zunächst grob sortiert. Kohlestücke kleiner als eine Männerfaust kamen in die „Wäsche“, wo sie im Wasserstrom schwamm, während sich die schwereren Steine am Boden absetzten. Der Rest wurde auf Lesebändern von Hand sortiert. Eine laute, stupide und staubige Arbeit. In der Hochzeit der Kohleförderung gab es noch keinen Gehörschutz und die Arbeiter waren dem permanenten Geräuschpegel von 120 db ausgesetzt – vergleichbar mit einem startenden Düsenjet. Zudem war es im Winter kalt und im Sommer heiß – eine wirkliche Strapaze.

In der Kokerei wurde die Kohle zu hochwertigerem Koks verarbeitet. Unter Ausschluss von Sauerstoff wurde die Kohle bei über 1000 Grad ca. 24 Stunden gebacken. Hierbei traten die unerwünschten gasförmigen Bestandteile der Kohle aus, die man in den Hochöfen der Stahlindustrie nicht brauchen konnte. Die Gase wurden in die Chemieanlagen geleitet. Aus ihnen konnten Teer, Ammoniak und Benzoel gewonnen werden, was für die Herstellung von anderen Gütern wie Straßenbelag bis Parfüm benötigt wurde.

Auf dem Gelände fallen mir zwei unterschiedliche Gleise auf. Die Zechenbahn transportierte auf Normalspur Kohle zum Güterbahnhof Bövinghausen. Die Grubenbahn war schmalspurig und diente dem innerbetrieblichen Transport. Der Betrieb der Zeche Zollern wurde schon 1966 eingestellt.

Im heutigen Museumsshop der früher Verbandsstube war, beende ich meinen Rundgang.

Es gibt viel zu sehen und zu fotografieren auf Zeche Zollern. Der LWL bietet mit den Hinweistafeln „Berglehrling Franz“ auch einen kindgerechten Rundgang an. Während meines Besuches wurde gerade Kindergeburtstag gefeiert, denn ca. 15 Kinder im Vorschulalter durften in der Waschkaue gerade in die Rolle kleiner Knappen und Knappinnen schlüpfen, um dann unter fachkundiger Leitung den Kinderkeller zu erobern.

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Adresse: Grubenweg 5, 44388 Dortmund

Geöffnet Dienstags bis Sonntags und Feiertags von 10.00 – 18.00 Uhr

Internetseite www.lwl.org

Freier Eintritt mit der RuhrTop Card 2018.

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