Titelfoto: ©Thilo Beu

Theater Bonn

Dramma lirico in vier Teilen
Libretto von Francesco Maria Piave
nach dem Drama Schlacht um Hernani von Victor Hugo
Musik von Giuseppe Verdi

Besuchte Aufführung am 23.06.22 (letzte Vorstellung), Premiere am 10.04.22

Ernani ist eine der unbekannteren Opern von Giuseppe Verdi. Die Handlung ist an das Theaterstück Hernani oder die kastilische Ehre von Victor Hugo angelehnt. An deutschen Bühnen wagt man sich wegen des schwierigen Librettos von Francesco Maria Piave nicht oft an dieses frühe Werk aus dem Jahr 1844. 

Es geht um Liebe, Rache, Tod und Ehre: Titelheld Ernani ist adliger, seines Titels und Vermögens beraubter, ausgestoßener Anführer einer Räuberbande. König Carlos tötete seinen Vater und sucht nach Ernani.  Dieser liebt Elvira, die von ihrem betagten Onkel Don Ruy Gomez da Silva in einem Palazzo gefangen gehalten wird, wo er sein Mündel heiraten will. Die Räuberbande plant Elviras Befreiung. Während der Hochzeitsvorbereitungen erscheint Ernani als Pilger verkleidet im Palazzo. Da Silva heißt den Fremden zunächst willkommen, aber als Ernani Elvira im Hochzeitskleid sieht, gibt er sich zu erkennen und bittet Da Silva, ihn dem König ausliefern, da er Elvira für treulos hält.

©Thilo Beu

Einen kurzen Moment sind die beiden Liebenden allein und Elvira versichert dem Rebellenanführer, dass sie sich nur zum Schein verlobt habe und sich während der Trauung erdolchen wollte, weil sie ihren Liebsten tot glaubte. Da Silva überrascht das Paar und sinnt auf Rache. König Carlos fordert die Herausgabe von Ernani, aber Da Silva weigert sich, weil er dies mit seiner Ehre und der Gastfreundschaft nicht vereinbaren kann.
König Carlos macht Elvira ebenfalls den Hof und nimmt sie als Geisel mit. Da Silva fordert Ernani zum Duell, doch schließlich paktieren sie zusammen gegen den König. Ernani übergibt Da Silva ein Horn und verspricht, er werde sich sofort töten, wenn Da Silva das Horn erklingen ließe.

König Carlos wird in Aachen von den deutschen Kurfürsten im Dom zum neuen Kaiser gewählt. In der Krypta Karls des Großen soll Carlos von Rebellen, darunter Da Silva und Ernani getötet werden. Das Los fällt auf Ernani. Carlos wird jedoch zum Kaiser gewählt und begnadigt die Rebellen auf Elviras Flehen hin. Die Liebenden können endlich heiraten. Happy End? Natürlich nicht! Während der Feierlichkeiten lässt Da Silva eifersüchtig das Horn klingen. Ernani hält Wort, ersticht sich und Elvira bricht ohnmächtig zusammen.

©Thilo Beu

Das Orchester im Orchestergraben schafft satte Klangräume und rückt die Musik völlig zurecht in den Vordergrund. Die SängerInnen sind nicht nur Teil des wuchtigen Chores, sondern agieren ganz hervorragend auch als Banditen, Hofgesellschaft, Gesellschaft des Kaisers und als Gesellschaft Ernanis.  

Das stimmgewaltige Solistenquartett aus George Oniani (Ernani),  Federico Longhi (König Carlos), Pavel Kudinov (Don Ruy Gomez de Silva) und  Yannick-Muriel Noah (Elvira) meistern ihre anspruchsvollen Parts bravourös. Die kleineren Rollen sind mit Ingrid Bartz (Hofdame Giovanna), Michael Krinner (Jago) und Tae Hwan Yun (Ricardo) ebenfalls sehr überzeugend besetzt. 

Das fantastische Bühnenbild von Alfred Peter besteht aus einer raffinierten, schräg stehende Drehbühne auf einem offenen Metallgestell. Die Titel der vier Akte (Der Geächtete, Der Pakt des Todes, Die Verschwörung und Der Altar der Rache werden auf den Vorhang projiziert. Die italienisch gesungenen Texte werden auf zwei Monitore in englisch und deutsch übersetzt.  Special Effects wie Nebel und Feuer werden sehr gut eingesetzt. Die Krypta wird effektvoll mit einer ansteigenden Treppe und reichlich Totenschädeln dargestellt. Die Lichtchoreografie von Boris Kahnert setzt die Handlung wirkungsvoll perfekt in Szene.

Auffällig sind auch die Kostüme von Renée Listerdal. Sie erinnern stellenweise an amerikanische Gangsterfilme und Polizeiuniformen. Es wird mit Taschenlampen und moderneren Schusswaffen gearbeitet, die das zeitlose Stück in die Gegenwart transportieren. Elvira trägt die prunkvollsten Kleider, das Brautkleid wird einfach “übergestreift” und die anderen Damen pimpen ihre dunklen Kleider zu den Hochzeitsfeierlichkeiten mit bunten Petticoats auf, die dezent unter den Rocksäumen hervorblitzen. 

Die Verdi-Oper ist detailreich und aufmerksam choreografiert. Roland Schwab schafft es, die haarsträubende und mit vielen Wendungen versehene Handlung klar, spannend und schlüssig zu erzählen.

Fazit: Eine rasante, leidenschaftliche und sehr unterhaltsame Oper, die nach zwei kurzweiligen Stunden zu Recht mit großem Applaus im gut voll besetzten Haus von der Bonner Bühne verabschiedet wurde.   

Besetzung:

Ernani George Oniani
 
Don Carlos Federico Longhi
 
Don Ruy Gomez de Silva Pavel Kudinov
 
Giovanna Ingrid Bartz
 
Don Riccardo Tae-Hwan Yun
 
Jago Michael Krinner
 
 
Chor des Theater Bonn
 
Extrachor des Theater Bonn
 
Beethoven Orchester Bonn
 
Musikalische Leitung Will Humburg, Matteo Beltrami
 
Inszenierung Roland Schwab
 
Bühne Alfred Peter
 
Kostüme Renée Listerdal
 
Licht Boris Kahnert
 
Choreinstudierung Marco Medved
 
Regieassistenz und Abendspielleitung Mark Daniel Hirsch
 
Musikalische Assistenz Elia Tagliavia
 
Studienleitung Pauli Jämsä
 
Korrepetition Igor Horvat, Miho Mach, Elia Tagliavia
 
Bühnenbildassistenz Mara Schönborn
 
Kostümassistenz Lisa Rüger, Nury Stefanie Willig
 
Inspizienz Karsten Sandleben
 
Leitung Statisterie Gyda Löcher
 
©Thilo Beu

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