Freitag, 9. September 2022 | 19.30 Uhr | Schauspielhaus

von Doğan Akhanlı

mit Texten und nach Motiven von Christa Wolf & Euripides & Seneca

 Titelfoto Thilo Beu

 

Bonn, 30.08.2022 – Pressinfo

Am Freitag, den 9. September feiert das Stück MEDEA 38 / STIMMEN des türkisch-deutschen Schriftstellers Doğan Akhanlı unter der Regie von Nuran David Calis Uraufführung am Theater Bonn.

Kein antiker Stoff hat über die Jahrhunderte hinweg zu so vielen Deutungen und Bearbeitungen Anlass gegeben wie der Medea-Mythos. Christa Wolfs 1996 veröffentlichter Roman MEDEA.STIMMEN entstand als radikale Korrektur des gängigen Medea-Bildes. Hier wird die Frau zum Opfer von männlicher Macht und Fremdenhass umgedeutet. Diese Medea folgt Jason nicht aus Liebe nach Korinth, sie muss vor dem maroden Regierungssystem in Kolchis fliehen. Weil sich die Geflüchtete nicht total assimilieren will und dem dunklen Regierungsgeheimnis auf die Spur kommt, wird Medea erst verleumdet, dann verfolgt. Dabei verkörpert Medea das Ideal einer humanen Gesellschaft. Die Könige von Kolchis und Korinth regieren dagegen nur noch aufgrund von Freveltaten. Die Bewohner von Korinth belügen sich selbst und verdrängen die unbewältigte Vergangenheit. Opportunismus, Mangel an Zivilcourage und Fremdenhass bestimmen ihr Verhalten.

Doğan Akhanlı (1957 – 2021) politischer Geflüchteter, Experte für die Genozide des 20. Jahrhunderts und Menschenrechtsaktivist, spinnt in diesem Auftragswerk für das Theater Bonn die Version der Medea von Christa Wolf noch einmal weiter, versetzt die Geschichte in eine Art Transitraum, einen Erinnerungsort, der das Griechenland alter Zeiten mit den Geschehnissen vor, nach und während des Jahres 1938 in der türkischen Stadt Dersim verbindet. Er verwebt drei Frauen der türkischen Geschichte in seine Version des antiken Stoffs. Ihr aller Leben spielt sich ab in einem System aus patriarchaler Willkür und Unterdrückung der eigenen Identität. Das Stück ist auf der Suche nach einem Neuanfang, nach neuen Werte-Hierarchien, nach Solidarität, Anerkennung, Demokratie – nach der Zukunft.

Nuran David Calis wurde 1976 als Sohn armenisch-jüdischer Einwanderer aus der Türkei in Bielefeld geboren. Er studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule und arbeitet als Regisseur, Theater- und Drehbuchautor unter anderem am Schauspiel Köln, Deutschen Theater Berlin oder Schauspiel Stuttgart.

Tickets – auch für die Premiere – sind telefonisch unter 0228 77 8008, an unseren Theaterkassen oder online unter theater-bonn.de erhältlich.

Foto Thilo Beu

 

Foto Thilo Beu

 

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