Ein Auftakt voller Energie

Kurz nach 19 Uhr wird die Bühne in der Dortmunder Westfalenhalle in blaues Licht getaucht, als die Mitglieder der 15 köpfigen Begleitband ihre Plätze einnehmen. Als Howard Carpendale die Bühne betritt, hält es viele im Publikum nicht auf den Sitzen.

Mit „Let’s Do It Again“ startet ein ganz besonderer Abend. Carpendale – ganz in Schwarz, mit Glitzerschal und Sneakers – wirkt zugleich elegant und nahbar. Eine große LED-Wand zeigt Livebilder, das durchdachte Lichtkonzept begleitet das gesamte Konzert: Der Sänger warm und hell im Fokus, die Band in farbiges Licht getaucht – eine Bühne mit beeindruckender Tiefe.

Nähe, Humor und Haltung

„Ist ein Leben genug“ bringt zunächst Ruhe hinein, doch Carpendale begrüßt sein Publikum nicht mit einem steifen Guten Abend,  sondern musikalisch mit 2 Buchstaben: Hi! – charmant und mit einem Augenzwinkern. Zwischen den Songs erzählt er Anekdoten, macht Witze, wird persönlich. Für ihn ist ein Konzert mehr als Musik: Es ist Kommunikation. Und genau das spürt man.

Er spricht über seinen 80. Geburtstag, den er lieber in „4160 Wochen“ misst, über seine langjährige Beziehung und darüber, wie wichtig gemeinsames Lachen ist. Gleichzeitig zeigt er Haltung, wird auch nachdenklich – und schafft so eine Balance aus Leichtigkeit und Tiefe.

Das Publikum geht diesen Weg mit. Bei „Es geht um mehr“ und „Fremde oder Freunde“ wird geklatscht und lautstark mitgesungen. Immer wieder entstehen Momente, in denen die Halle ganz still wird – und dann wieder auflebt.

Zeitreise durch eine große Karriere

Nach der Pause rücken die Songs noch stärker in den Mittelpunkt. Mit „Hello Again“, „Das ist unsere Zeit“ und „Das alles bin ich“ wird der Abend endgültig zur Zeitreise durch eine außergewöhnliche Karriere. „Wie frei willst du sein“ und „Die Großen dieser Erde“ setzen inhaltliche Akzente, während „Schade“ und „Du bist doch noch hier“ leise und persönliche Töne anschlagen.

Musikalisch überrascht Carpendale immer wieder: „Wem (erzählst du nach mir deine Träume)“ klingt fast wie eine James-Bond-Melodie, „Das schöne Mädchen von Seite 1“ bekommt eine moderne Rap-Einlage. Bei „Deine Spuren im Sand“ singt das Publikum stellenweise lauter als der Künstler selbst.

Ein besonderer Moment entsteht bei „Nachts, wenn alles schläft“: Handylichter tauchen die Halle in ein warmes Leuchten, den Refrain übernimmt das Publikum nahezu allein – Gänsehaut.

Finale ohne Routine

Auch beim Finale bleibt Carpendale sich treu. Auf ein klassisches Zugaben-Ritual verzichtet er bewusst. Stattdessen bleiben er und seine Band auf der Bühne und spielen die letzten Songs direkt weiter. Kurz vor Schluss verwandelt sich die bestuhlte Halle schließlich in eine ausgelassene Stehparty, als die Zuschauer nach vorne strömen dürfen.

Carpendale sucht immer wieder die Nähe zum Publikum, lobt die Dortmunder Zuschauer und wird gefeiert. Dieser Abend ist eine Zeitreise, eine Hommage an Jahrzehnte voller Musik – und vor allem ein emotionales Erlebnis.

Ein Abschied, der keiner ist

Die Abschiedstournee bedeutet dabei keinen endgültigen Rückzug. Weniger Reisen, mehr feste Spielorte – so die Perspektive. Ein Gedanke, der Hoffnung macht.

Am Ende bleibt ein Konzert, das berührt, verbindet und lange nachklingt. Howard Carpendale verabschiedet sich nicht leise – sondern mit Herz, Humor und einem Publikum, das jeden Moment mit ihm teilt.

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