Schloss Moritzburg bei Dresden

„Was ein Friedrich August am Anfang des Jahrunderts anfing, hat ein anderer Friedrich August am Ende desselben vollendet“ sagte Johann Gottfried Herder 1885 über Dresden. Es beschreibt auch die Geschichte von Schloss Moritzburg.

Ich fahre in den Ort und als erstes fällt mir die lange, schnurgerade auf das Schloss zuführende Straße auf.

Es ist noch früh am Tag und ich erwische bei veränderlichem Schauerwetter noch einen der Parkplätze direkt am Schloss, das Herzog Moritz von Sachsen 1542 als  Jagdschloss auf einer künstlichen Insel im Schlossteich erbauen ließ.
1723 kam dann August der Starke ins Spiel und veranlasste den Umbau zum barocken Jagd- und Lustschloss mit mehreren zweigeschossigen Prunksälen (Billardsaal, Speisesaal, Steinsaal, Monströsensaal) und über 200 Räumen. Der Architekt hieß wie so oft Matthäus Daniel Pöppelmann. August wollte einen Ort für ausschweifende Jagden und Feste, träumte von Teichen und großen Gehegen mit exotischen Tieren. Mit dem Tode August wurden die Umbaupläne jedoch gestoppt und nie vollendet. Der 7-jährige Krieg unterbrach die Bautätigkeiten. Erst Augusts Enkel Friedrich August III. von Sachsen ließ das Schloss weiter umbauen.

Eine von zwei Postsäulen mit Entfernungsangaben

Von 1933 bis zur Enteignung der Wettiner im Jahre 1945 nutzte Prinz Ernst Heinrich von Sachsen das Schloss noch als Wohnsitz. In aller Eile vergruben sie die Familienschätze im Schlosspark, doch die sowjetischen Soldaten fanden den Großteil. Hobbyarchäologen entdeckten 1996 noch ein paar Kisten mit Goldschmiedearbeiten. Zahlreiche Stücke wurden von den rechtmäßigen Eigentümern in London versteigert. Ein paar der Kunstwerke kamen als Leihgabe zum Schloss zurück, wie zum Beispiel die Hofnarrenbüste und „Die Schlittenfahrt“ – ein Kunstwerk aus Meissner Porzellan. Beide Schätze sind im Billardsaal zu bewundern.



Gleich zu Beginn führt der Rundweg ins Federnzimmer. 1723 kaufte August für sein japanisches Palais in Dresden ein französisches Prachtbett. Solche Prunkstücke zählten für die damaligen Herrscher zu den must haves für die Repräsentationszimmer eines Schlosses. In Baldachin und Bettvorhängen wurden etwa 1 Mio Pfauen,- Perlhuhn-, Enten- und Fasanenfedern mit einer einzigartiger Technik als Kettfaden eingewebt. 

August ließ den Stoff zu Wandbehängen umarbeiten. Seit 1830 ist das Federnzimmer in Moritzburg. 2003 konnte es nach aufwendiger – 19 Jahre dauernder – Restaurierung wieder zu Besichtigung freigegeben werden. Auf den ersten Blick sieht der Stoff wie Seidenstickerei aus.

Im Internet lese ich folgendes über die Restaurierung:

„1972 musste das Federzimmer wegen seines gefährdeten Zustandes abgebaut und ins Magazin verbannt werden. Schwammbefall an den Holztäfelungen und 250 Jahre ungefiltertes Licht hatten großen Schaden angerichtet, Spinnen hatten sich häuslich eingerichtet, Staub, Insekten und Feuchtigkeit ihre Spuren am Gefieder hinterlassen. Eigentlich hielt man eine Restaurierung für unmöglich. Dennoch wurden 1984 die Restauratoren des Stadtmuseums Dresden beauftragt. Und tatsächlich fanden sie eine im Prinzip einfache, aber in der Umsetzung aufwendige Methode heraus: Nur ein Vollbad in Wasser könne dem Federschmuck helfen. So kamen die Federn erst vier Wochen in eine Stickstoffkammer, dann in ein spezielles Wasserbad. Damit sie nicht verklebt erstarrten und abbrachen, mussten sie einzeln mit Pinzetten angehoben und in einem starken, kalten Luftstrom gefönt werden.

Auf insgesamt 40 Quadratmetern Fläche wurden auf diese Weise über eine Million zerbrechlicher Federn 19 Jahre lang restauriert, wobei auf Nachfärbungen und Ergänzungen an dem kunsthandwerklichen Kleinod verzichtet wurde. Die Mühen haben sich gelohnt: Im Juni 2004 erhielt das Moritzburger Federzimmer in der Kategorie Erhaltung/Restaurierung den Europäischen Preis zur Erhaltung und Aufwertung des kulturellen Erbes, den Europa Nostra Award. Nach so vielen Jahren behutsamer Feinstarbeit verwundert es niemanden, dass das kostbare Federzimmer Augusts des Starken heute nur durch eine große Glaswand zu bestaunen ist“. 

Von der ehemaligen Fürstenloge kann ich einen Blick in die Schlosskapelle werfen. Nachdem August 1697 zum katholischen Glauben konvertierte, um auch polnischer König werden zu können, bestand Bedarf an einer katholischen Kirche. Daher wurde die Schlosskirche Weihnachten 1699 katholisch geweiht.

Die vier Türme dienten unterschiedlichen Aufgaben. Über den Küchenturm wurde der Speisesaal beliefert. Dazu gibt es noch den Backturm, den Amtsturm und den Jägerturm.

Das Schloss gibt einen Einblick in die barocke Wohnkultur zur Augusts Zeiten. Besonders beeindruckt war ich von den gut erhaltenen Ledertapeten aus dem 17. Jahrhundert.

Die Dekoration besteht überwiegend aus Jagdtrophäen. So hängt auch im lichtdurchfluteten Speisesaal eine beachtliche Sammlung von Geweihen. Ich habe davon keine Ahnung, aber wenn ich höre, dass die Trophäen zum Teil über 400 Jahre alt sind, bin ich zumindest wegen des Alters beeindruckt.

Im Monströsensaal hängen krankhaft veränderte Geweihe, u.a. der „berühmte 66-Ender. Dem Audioguide entnehme ich, das die Degenerationen nicht immer auf Launen der Natur beruhen, sondern auch von Menschenhand absichtlich herbeigeführt wurden. Vermutlich stieg dadurch der Wert eines Geweihs unter Sammlern. Die Jagd diente damals nicht hauptsächlich zur Beschaffung von Lebensmitteln. Wilderei wog für den König sogar schlimmer als Mord. Während der Jagdzeit mussten auch die Staatsgeschäfte ruhen, wenn der König mit großem Gefolge durch die Wälder zog und Unmengen an Wild erlegte.

Im Schloss fanden auch schon Dreharbeiten statt. Der bekannteste Film ist sicher der Weihnachtsklassiker Drei Haselnüsse für Aschenbrödel aus dem Jahr 1971. In den Wintermonaten gibt es hierzu eine Ausstellung im Schloss.

 

Das Fotografieren im Schloss ist leider nicht erlaubt. Daher müsst Ihr Euch wohl selbst auf den Weg nach Moritzburg machen, um all die Pracht zu sehen. Für mich hat sich der Ausflug gelohnt. Das Fasanenschlösschen und den Park schaue ich mir das nächste Mal bei etwas besserem Wetter an!

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