Das gesamte Ensemble im Schlussbildby ©AKA_Gey

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Premiere mit Herz, Humor und Artistik

Am vergangenen Donnerstag feierte das GOP Varieté-Theater Essen die Premiere von „Circus“ – und bescherte dem Publikum einen Abend, der gleichermaßen nostalgisch, modern und voller künstlerischer Finesse war. Im Zentrum stand dabei Eduardissimo, der Clown, der mit wenigen Gesten, stillen Pointen und berührender Komik den gesamten Abend verband. Edouard Neumann, in Russland geboren und früh mit der Bühne vertraut, zeigte hier erneut jene Meisterschaft, für die er auf internationalen Varietébühnen geschätzt wird: ein Clown ohne Effekthascherei, dafür mit Herz, Eleganz und kunstvoller Körpersprache.

 

Feines Opening und der erste Balance-Akt

Nach einem großartigen Opening eröffnete Kseniia Shytova das artistische Programm. Ihre Equilibristik ist eine kompromisslose Einladung zum Staunen . Mit ruhiger Konzentration setzte sie schwierige Figuren in Balance und ließ alles so leicht wirken, als würde sich der Körper eben nicht gegen die Schwerkraft, sondern mit ihr bewegen. Ein Eröffnungsakt, der den Saal auf das Niveau der kommenden Kunst vorbereitete.

 

Komik trifft Artistik – ein Duo mit Witz

In mehreren Sequenzen trat er gemeinsam mit Alexey Bitkine, dem Ehemann und Flying-Pole-Partner von Tatyana, auf. Die beiden bildeten ein glänzend aufgelegtes Duo, das mit Timing, trockenem Witz und feiner Situationskomik die Bühne eroberte. Ein komisches Tandem, das Slapstick und Artistik zusammenführte, ohne dabei in Klamauk zu kippen. Das Zusammenspiel zwischen Eduardissimos stiller Komik und Alexeys lebendigem Temperament war nicht nur lustig, sondern auch dramaturgisch klug gesetzt – ein wiederkehrender Höhepunkt auf humoristischer Ebene.

 

Hula-Hoops als erzählerisches Instrument

Olha Rezekina zeigte, wie man mit Hula-Hoops nicht nur jongliert, sondern Geschichten erzählt. Ihre Performance lebte von Rhythmus, Geschwindigkeit und einer ansteckenden Bühnenpräsenz, die sich innerhalb weniger Sekunden auf den ganzen Saal übertrug. Ihre Reifen wurden zu rotierenden Linien im Raum – präzise, verspielt und überraschend.

 

Fahrt nach oben – Trapez in Reinkultur

Mit Valeriia Holub am Trapez nahm die Show buchstäblich Fahrt nach oben. Was bei ihr nach Leichtigkeit aussah, war in Wahrheit eine Mischung aus Kraft, Risiko und fließender Eleganz. Ihre Bewegungen zeichneten Linien in die Luft, und die Spannung zwischen Fallen und Fangen verlieh der Nummer jenen besonderen Atemmoment, den man aus dem klassischen Zirkus kennt. 

 

Balance als stille Kraft

Beim Duo Handstand, bestehend aus Andrii Nikolaienko und Mykyta Postnikov treffen Linien, Spannung und millimetergenaue Körperarbeit aufeinander – ein Act, der Balance zur Konstruktion macht. Ihre Artistik war ein stiller Kraftakt und zeigte, wie zwei Körper im Gleichgewicht eine harmonische Einheit bilden können. Synchronität, Vertrauen und absolute Körperbeherrschung verwandelten ihre Figuren in ein choreografisches Gemälde aus Kraft und Präzision.

 

Charme auf einem Rad

Yuliana Kaban kam – rollend, präzise, unkompliziert – und ließ das Einrad aussehen, als sei es das selbstverständlichste Requisit der Welt. Sie kreiste über die Bühne, spielte mit Balancepunkten und Richtungswechseln und vereinte ihre technische Finesse mit einer großen Portion Charme und Lächeln. Ein Act, der einlädt, sich an der Freude der Artistin zu beteiligen.

 

Leidenschaft in der Vertikalen

Kateryna Gurina beeindruckte am Vertikaltuch. Man sah sofort, dass sie ihrem Requisit mit leidenschaftlicher Hingabe begegnet. Kraftvolle Aufstiege, kontrollierte Drops und elegante Fallsequenzen ließen sowohl ihr Können als auch ihre Ausbildung am renommierten Zirkus-College in Kiew sichtbar werden. Eine Nummer voller Konzentration, Mut und erzählerischer Intensität.

 

Tempo, Technik, Charakter

Danach brachte Anton Shcherbyna mit seinem Diabolo-Act Tempo und Virtuosität in den Saal. Jonglage im 21. Jahrhundert: rasant, technisch brillant und mit charismatischer Bühnenpräsenz. Ein Act, der eindrucksvoll zeigte, wie zeitgemäß und mitreißend Jonglage heute sein kann.

 

Hochgeschwindigkeit im Kreis

Zum Abschluss des artistischen Programms zeigten Oleksii Khrystolyubov & Liliia Mala eine Rollschuh-Akrobatik, die die Bühne sprichwörtlich in Rotation versetzte. Rasant, waghalsig, mit rotierenden Hebefiguren und blitzschnellen Sequenzen, die das Publikum in Atem hielten. Ein Act, der Tempo und Risiko zu Hochspannung verband.

 

Die Energie des Ensembles

Was „Circus“ außerdem auszeichnet, ist die Bühnenpräsenz des gesamten Ensembles. Hier steht kein Solo für sich, sondern jede Nummer atmet im Rhythmus der anderen. Die Artisten begegnen dem Publikum nicht nur mit Technik und Können, sondern mit Haltung, Ausstrahlung und dem spürbaren Willen, etwas zu erzählen. Diese Präsenz trägt die Show – manchmal leise, manchmal kraftvoll, aber immer mit großer Selbstverständlichkeit.

 

Stimmige Inszenierung und feines Handwerk

Die Regie von Igor Protsenko & Irina German, das Lichtdesign von Andi Hönig und das Bühnenbild von Sebastian Drozdz geben „Circus“ einen ebenso stimmigen wie edlen Rahmen.

Fazit:

Circus ist eine großartige Inszenierung, getragen von einem starken Ensemble und feiner Komik, die zeigt, wie modern Varieté heute aussehen kann. Ein Abend, der gleichzeitig zum Staunen, Lachen und Mitfiebern einlädt. „Circus“ macht genau das.

Spieldauer: ca. 2 Stunden inkl. Pause.
Eine Produktion von Circus-Theater Bingo und GOP showconcept.

https://www.variete.de/essen/programm/circus

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