Das Farina Duftmuseum in Köln – die Wiege des modernen Parfüms

Das Farina Duftmuseum in Köln – die Wiege des modernen Parfüms

—Titelfoto: Copyright © Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0—

Nicht weit vom historischen Rathaus Köln entfernt liegt das Duftmuseum im Farina-Haus in den Original-Produktionsräumen des 18. Jahrhunderts. Wir haben dort an einer der spannenden Führung teilnehmen dürfen!

 

Wer Köln und Parfüm hört, denkt wahrscheinlich sofort an Kölnisch Wasser und 4711. Tatsächlich beginnt die Geschichte des berühmten Duftwassers aber ganz woanders!

Der italienische Parfümeur Johann Maria Farina (ital. “Giovanni Maria Farina”) gründete im 18. Jahrhundert die älteste, heute noch existierende  Parfümfabrik der Welt. 

Copyright © Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0

Der 1685 im piemontischen Santa Maria Maggiore geborene Farina stammte aus einer traditionsreichen, italienischen  Familie von Aromatiseuren. Er besaß einen überaus sensiblen Geruchssinn und hervorragende Kenntnisse über Aromen und Essenzen. Mit 21 Jahren kam er in die europäische Handelsmetropole Köln, wo sein Bruder Johann Baptist Farina (ital. “Giovanni Battista Farina”) seit dem 13. Juli 1709 bereits einen Warenhandel für “französischen Kram”, d.h. Luxusartikeln wie z.B. Seide und edle Spitzen betrieb. 1714 trat Johann Maria in den Familienbetrieb ein, die fortan unter “Gebrüder Farina & Comp.” firmierte.

Copyright © Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0

Das Sortiment wurde u.a. um ätherische Öle und Duftstoffen erweitert.

1723 zog die Firma in das Haus der heutigen Obenmarspforten 23 ein. Adressen gab es damals noch nicht, daher wählte man den Zusatz „gegenüber dem Jülichsplatz“. Auf dem heutigen Gülichsplatz hatte in Vorzeiten das Haus des aufständischen Nikolaus Gülich gestanden, der 1685 enthauptet wurde. Sein Haus wurde niedergebrannt und der Ort durfte nicht wieder bebaut werden. Die Kölner kannten natürlich die Geschichte und der Platz war daher prominent. Die Lage war sehr vornehm und die (Nutz-) Tierhaltung war aus hygienischen Gründen verboten. Das Grundstück lag zudem noch verkehrsgünstig an einer gepflasterten Straße zum Rhein hin. 

Copyright © Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0

Im 18. Jahrhundert roch es (nicht nur) in Kölns Straßen gar nicht gut. Straßenreinigung, Müllentsorgung und Kanalisation gab es noch nicht und die Bewohner hatten Angst, beim Waschen mit verseuchtem Wasser in Berührung zu kommen und krank zu werden. Farina komponierte einen Jahrhundertduft aus Blüten und Kräutern seiner Heimat sowie Orangen-, Pampelmusen-, Citronen-, Bergamotte-, Cedrat (Zitronatzitronen gelten als die ersten auf dem europäischen Kontinent angebauten Zitrusfrüchte)- und Limettenaromen. Der Geruch erinnerte ihn an einen italienischen Frühlingsmorgen nach dem Regen. Mit diesem Eau de Cologne beginnt erst die Geschichte der modernen Parfümerie, da es das erste Duftwasser war, welches immer wieder gleich hergestellt werden konnte.

Copyright © Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0

Der erfrischende Duft war (und ist) vor allem in den europäischen Fürsten- und Königshäusern sehr beliebt – damals konnte sich auch nur der Adel den stolzen Preis leisten, lag er doch ungefähr bei dem Monatsgehalt eines Beamten.

Napoleon zum Beispiel verbrauchte eine Flasche davon am Tag und soll sogar auf dem Schlachtfeld immer eine Flacon in seinem Stiefelschaft bei sich getragen haben. Um die üblen Gerüche zu überdecken sprühte man das Parfüm nicht auf den Körper, sondern träufelte es auf ein Tuch und hielt es sich vor die Nase. 

Copyright © Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0

Markenrecht gab es zu der Zeit noch nicht, so dass es natürlich viele Fälscher gab, die an dem Original mitverdienen wollten. Auch der Spekulant Wilhem Mühlens stellte ein Plagiat her und verkaufte es unter dem Namen Farina. Hierfür hatte er 1803 einem Carl Franz Farina -der mit dem Parfumeur rein gar nichts zu tun hatte- die Namensrechte abgekauft. Geschäftstüchtig verkaufte Mühlens die Rechte an 25 weitere Personen, die teilweise ebenfalls Farina Parfüms verkauften. Im Zuge der Industrialisierung und auch aufgrund des unermüdlichen Einsatzes des achten Firmenchefs Johann Maria Farina ( 1809-1880) ergriff man im 19. Jahrhundert erste Maßnahmen, um Marken wirksam zu schützen. Er ließ die Marke „Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz“ kurz “Farina gegenüber” eintragen.  – Mühlens nannte seinen Duft fortan schlicht 4711 nach der Hausnummer des Produktionsgebäudes.

Heute ist Eau de Cologne der Name einer ganzen Duftklasse. Für seine Dienste ehrte die Stadt Köln Johann Maria Farina. Eine Figur am Rathausturm erinnert noch heute an ihn.

Das Stammhaus der noch immer im Familienbesitz stehenden Parfümfabrik ist  im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

Diese beginnen in der Beletage (französisch für das schöne Geschoss) des Hauses. Die Wohnräume mittelalterlicher Bürgerhäuser lagen zur damaligen Zeit meist im Obergeschoss, während im Erdgeschoss Wirtschaftsräume, Lager oder Läden untergebracht waren.

Kurzweilig und sehr interessant wird das Leben von Johann Maria Farina und die Parfümherstellung dargestellt. Im Anschluss geht es in die Kellerräume zum Kontor, wo noch der Schreibtisch zu bewundern ist, an dem der Firmengründer seine Geschäfte erledigte.

Copyright © Johann Maria Farina / CC BY-SA 4.0

In den Vitrinen sind unterschiedliche Flacons ausgestellt, so u.a. der historische grünen Rosoli-Flakon, aber auch die 1912 vom berühmten Wassily Kandinsky entworfene Duftflasche. Erfolg schafft Nachahmer und zu den zahlreichen Plagiaten werden sehr spannende Geschichten erzählt. 
Im angrenzenden Raum werden unglaublich viele Essenzen und Rückstellproben präsentiert. Die Besucher können einen Blick auf den historischen Arbeitsplatz eines Parfümeurs werfen.

Und damit es nicht nur etwas fürs Auge gibt, werden in gemütlicher Runde verschiedene Geruchsproben gereicht, die es zu erraten gilt. 

Die Führung dauert ungefähr 45 Minuten und ist damit für die ganze Familie geeignet. Kinder ( 0 ~ 9 Jahre) haben freien Eintritt.  

Sie werden sieben Tage die Woche jeweils zur vollen Stunde angeboten und finden in mehreren Sprachen sprach. Da die Plätze begrenzt sind, empfiehlt sich die vorherige Online-Buchung. 

Unter der Woche (Montag bis Freitag) werden nur die normalen Führungen: 5,- €  inkl. Eintritt, Führung und Duftpräsent angeboten (Ausnahme: Donnerstags um 17.00 Uhr – historische Kostümführung). 

Am Wochenenden gibt es ausschließlich die historischen Kostümführungen: 9,- € inkl. Eintritt, Führung und Duftpräsent

 

 

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