Rückkehr nach Innsmouth: Wir waren drin – und plötzlich war Bottrop ziemlich weit weg
Stockdunkle Gänge, Schauspieler mitten im Geschehen und eine Hafenstadt, in der irgendetwas ganz gewaltig nicht stimmt: Bei der Presse-Preview von „Rückkehr nach Innsmouth“ im ELORIA Bottrop haben wir getestet, wie viel Horror in 90 Minuten passt.
Mittwochabend, 20 Uhr. Eigentlich beginnt alles noch ziemlich entspannt.
Rund 50 geladene Gäste haben sich in der Goldfließ-Bar versammelt – viele davon schwer bewaffnet mit Smartphones, Kameras und Gimbals.
Doch zwischen all der Technik mischen sich bereits die ersten Gestalten, die so gar nicht nach Presseempfang aussehen. Blasse Gesichter, merkwürdige Blicke – und ziemlich schnell wird klar: Die gehören hierher.
Willkommen in Innsmouth.
Ab jetzt bleiben die Kameras draußen
Gegen 21 Uhr verschwindet die erste Gruppe in der Kulissenwelt. Wir sind um 21.15 Uhr an der Reihe.
Und damit passiert etwas, das bei einem Presseevent fast schon ungewöhnlich wirkt: Handys und Kameras bleiben aus. Während der Show darf weder fotografiert noch gefilmt werden.
Eine gute Entscheidung.
Denn ohne Display zwischen uns und dem Geschehen funktioniert „Rückkehr nach Innsmouth“ erstaunlich schnell. Die Räume sind detailliert und sehr realistisch eingerichtet – nicht wie eine schnell gebaute Halloween-Kulisse, sondern wie Orte, die tatsächlich zu dieser merkwürdigen Hafenstadt gehören könnten.
Mal weitläufiger, mal ziemlich eng. Und gerade in den kleineren Räumen ist man den Darstellern sehr nah und dadurch mitten im Geschehen.
Zuschauen reicht hier nicht
Die Schauspieler stehen nicht irgendwo auf einer Bühne. Sie bewegen sich mit uns durch die Handlung, sprechen die Gruppe direkt an und treiben die Geschichte voran.
Wir bleiben also nicht einfach Zuschauer. Kleine Aufgaben sorgen dafür, dass man immer wieder selbst aktiv werden muss.
Genau das macht den Reiz aus.
Natürlich weiß man die ganze Zeit: Das hier ist eine Show. Aber diese Information hilft erstaunlich wenig, wenn man in einem engen Raum steht, die Atmosphäre kippt und plötzlich niemand mehr so genau weiß, was als Nächstes passiert.
Und dann geht das Licht aus
Einer der intensivsten Teile wartet im stockdunklen Labyrinth.
Und mit stockdunkel meinen wir wirklich: Man sieht praktisch nichts.
Also langsam vorwärts. Hände nach vorne. Vorsichtig den nächsten Schritt suchen. Irgendwo sind die anderen. Vermutlich.
Und natürlich weiß man spätestens jetzt, dass diese Dunkelheit nicht zufällig da ist.
Das Labyrinth liefert einige der stärksten Schreckmomente des Abends. Gerade weil man nicht weiß, wann etwas passiert – und vor allem nicht, woher es kommt.
Wer bei Horrorfilmen gern behauptet, ein Schreckmoment sei doch total vorhersehbar, darf hier ausprobieren, wie souverän das funktioniert, wenn man selbst mitten in der Szene steht.
Mehr Story als Geisterbahn
Das vielleicht Überraschendste an „Rückkehr nach Innsmouth“: Der Horror ist nicht das einzige Ziel.
Hinter dem Projekt steckt eine zusammenhängende Geschichte nach Motiven von H. P. Lovecraft. Die rund 90-minütige Show führt durch eine etwa 2.000 Quadratmeter große Kulissenwelt in der historischen Waschkaue des ELORIA. Die Gruppen bleiben mit maximal 15 Personen bewusst klein.
Statt in einer Besucherschlange von Schreckmoment zu Schreckmoment weitergeschoben zu werden, bekommt die Geschichte Zeit. Figuren tauchen wieder auf, Situationen entwickeln sich weiter und die Schauspieler reagieren auf die Gruppe.
Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Theater, Horror-Maze und begehbarem Film.
Gerade für alle, denen klassisches Theater zu passiv und eine normale Halloween-Geisterbahn zu oberflächlich ist, dürfte diese Mischung spannend sein.
Horror funktioniert erstaunlich gut ohne Bildschirm
Nach anderthalb Stunden ist vor allem eine Sache auffällig: Wie schnell man sich darauf einlässt.
Natürlich wissen wir die ganze Zeit, dass wir in einer ehemaligen Waschkaue mitten in Bottrop stehen. Trotzdem fühlt sich das zwischen dunklen Gängen, Nebel, Kulissen und den Bewohnern von Innsmouth irgendwann erstaunlich weit weg an.
Dazu trägt bei, dass man eben nicht alle 30 Sekunden das Handy herausziehen kann. Für 90 Minuten passiert das Erlebnis ausschließlich dort, wo es passieren soll: direkt vor einem.
„Rückkehr nach Innsmouth“ startet regulär am 2. Oktober 2026 im ELORIA Bottrop. Die Show richtet sich an Erwachsene und arbeitet unter anderem mit Dunkelheit, Nebel, lauten Geräuschen und Schreckmomenten.
Wer Horror lieber aus sicherer Entfernung auf dem Sofa schaut, bekommt hier jedenfalls eine deutlich direktere Variante geboten.





