-Titelfoto: Vater Mustafa Aydın tanzt nach der Beschneidung seiner beiden Söhne, Essen-Altendorf, 2. Juli 1977, Foto: Henning Christoph

Anlässlich des 60. Geburtstages des zwischen Deutschland und der Türkei am 30.10.1961 geschlossenen Anwerbeabkommens eröffnet das Ruhr Museum im UNESCO-Welterbe Zollverein eine Galerieausstellung mit ca. 150 Fotografien in schwarz weiß und Farbe. 

“Die Ausstellung mit Fotografien von Henning Christoph zeigt die Zeit von Ender der 1970er bis Ende der 1980er Jahre, also die Phase, in der sich viele der ehemaligen “Gastarbeiter*Innen” entschieden, in Deutschland zu bleiben, ihre Familienangehörigen nachzuholen oder eine Familie zu gründen und hier eine neue Heimat zu finden.” (Quelle: Presseinfo)

 

Henning Christoph, Foto:checkbar.eu

 

Der in Essen lebende, deutsch-amerikanische Fotograf Henning Christoph ist gleich mehrfacher World-Press Photo-Preisträger und fotografierte von 1977 bis 1989 das Alltagsleben türkischer Menschen, vornehmlich im Ruhrgebiet. Die Fotos entstanden  bei den türkischstämmigen Familien zu Hause, auf der Arbeit, bei Feiern, bei der Einschulung und vielen anderen alltäglichen Situationen. Den Zugang erhielt er durch die Freundschaft zu den beiden in der Nachbarschaft lebenden Familien Sakin und Aydın. 1979 erschien die dreizehn Doppelseiten lange Reportage “Die deutschen Türken” in der Zeitschrift GEO mit einer Auswahl der besten Fotos und Texten seiner damaligen Ehefrau und Journalistin Shawn Christoph. Diese bedeutsame wie legendäre Reportage wird vollständig in der Ausstellung gezeigt.

Henning Christoph pflegte enge Freundschaften mit den türkeistämmigen Arbeitsmigranten und ihren Familien. er besaß ihr Vertrauen und fotografierte viele private und intime Momente ihres Lebens”, so Professor Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums und Mitglied des Vorstandes der Stiftung Zollverein.

In einem Videointerview kommt der Fotograf in der Ausstellung selbst zu Wort.

Christophs Langzeitdokumentation trägt den Titel Mustafas Traum. Mustafa Aydın wollte nur so lange in Deutschland bleiben, bis er genug Geld hatte, sich in der Türkei ein Sägewerk zu kaufen. Ein Modell des Werks baute er in seiner Freizeit und ließ sich von Henning damit fotografieren. Leider hat er sich den Traum nicht erfüllen können. Mustafas Traum steht als Synonym für die Wünsche und Hoffnungen vieler Menschen, die ihre Heimat verlassen und ein neues Leben beginnen.

Mustafa Aydins Traum: ein “Sägewerk, Essen-Altendorf, um 1978, Foto: Henning Christoph

Die Fotos von Henning Christoph lassen den Betrachter tief in eine Gesellschaft und Kultur eintauchen, die es in dieser Form in Deutschland heute vielleicht so gar nicht mehr gibt. Sie erzählen die Geschichte der türkischstämmigen Eltern und Großeltern, die damals nach Deutschland kamen und ihren Weg zwischen zwei Kulturen suchten. 

„Nachbarn zur Zeit des Karneval“ Duisburg-Hochfeld, Februar 1983, Foto Henning Christoph

Fazit: Eine sehr gelungene Ausstellung! Christophs Fotos erzählen Geschichten. Er hielt mit seiner Kamera unwiederbringliche Augenblicke fest und schuf damit wertvolle Zeitdokumente. Ein Blick wie durchs Schlüsselloch auf eine andere Zeit und in eine andere Kultur.  

Für Kinder ab 6 Jahren gibt es ein spannendes  Bilderrätsel in deutscher und türkischer Sprache. 

SONDERAUSSTELLUNG

MUSTAFAS TRAUM. FOTOGRAFIEN VON HENNING CHRISTOPH ZUM TÜRKISCHEN LEBEN IN DEUTSCHLAND 1977 – 1989

Ruhr Museum, 21-Meter-Ebene
bis 30. Oktober 2022
Montag–Sonntag
10–18 Uhr
Alle weiteren Infos findest Du auf der Seite des Ruhr Museums
 
Henning Christoph und Theodor Grütter, Foto: checkbar.eu
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