punch’n’judy im Interview – Teil II

punch’n’judy über die neue CD, Lampenfieber, die Crossover Folk Night und Neptune

Teil II:

checkbar: Wie behaltet ihr an einem Konzerttag die Power für das Konzert am Abend?

Sascha: Ich trinke am Abend nur zwei Bier. Am Abend vorher.

Andreas: Ich gucke mir gern die Auftritte anderer Bands an, zumindest ein paar Lieder. Dann musst du dich umziehen, warm machen,  aber meistens steigt bei mir dann auch die Konzentration je mehr Bands man gesehen hat.  Wenn man im Umkleideraum sitzt dann denkt man auch schon mal: boah jetzt noch eine Stunde warten. Je nachdem auch,  wie weit man gefahren ist vorher.

Peter: Ist ja auch ein langer Tag. Du fährst um 13 Uhr los, trifft sich um 14 Uhr am Proberaum und dann geht es  los zur Location da musst du dann aufbauen, Soundcheck, wartest die ganze Zeit, da ist der ganze Tag natürlich vorbei wenn du dann erst um 22 Uhr spielst dann bist du schon ein bisschen müde am Abend und du willst ja trotzdem noch mal Gas geben.

Ute: Wir sind am anderen Tag dann eher alle tot.

Andreas: Ich brauche danach eine Woche. Nach dem Konzert bist du um 3 Uhr oder um 3:30 Uhr wieder zu Hause.

Ute: Wenn es in der Nähe ist sonst bist du dann nicht zu Hause. Dann noch zum Proberaum. Zu Hause sind Kinder, dann kannst du auch nicht mehr schlafen.

checkbar: Wenn ihr im Hotel übernachtet, was macht ihr dann nach einem Auftritt? Das Zimmer zerlegen, mit Groupies feiern – so das übliche? Wie kommt man da wieder runter?

Sascha: Sehr schwer. Tatsächlich sind wir ja  meist noch etwas länger vor Ort, da kann man dann bei schönen Gesprächen runterkommen. Ich erinnere mich an einen Auftritt in Utrecht bei der Fantasy Fair. Da saß ich Hotel an der Theke, habe noch ein paar Bierchen getrunken.  Dort lernte ich einen holländischen Chor kennen, alles ältere Herrschaften. Mit denen habe ich dann die Nacht  verbracht. Das ist schon echt klasse wenn du nicht fahren musst, und den Abend so ausklingen lassen kannst. Sonst hast du wirklich einen richtigen Cut. 

Ute: Aber manchmal sind wir so platt, weil wir vielleicht schon ganz früh morgens oder nachts losgefahren sind. Im Hotel wollen dann alle sofort schlafen gehen, vielleicht noch auf ein Getränk den Abend Revue passieren lassen. Da muss man keine Party mehr feiern.

Peter: Wir zerstören auch keine Hotelzimmer, jedenfalls nicht absichtlich. Vielleicht stolpern wir mal wo rein…

checkbar: Gibt es von Auftritten oder Dreharbeiten oder Anekdoten, die ihr erzählen könnt?

Ute: In Zapfendorf waren wir in einer Pension aus dem Jahr achtzehnhundert irgendwas, noch nie renoviert. Sascha hatte im Zimmer eine Zeitmaschine stehen, also das sollte eigentlich eine  Dusche sein. Mitten im Zimmer direkt vor dem Bett. Die musste man anwerfen, statt warmen Wasser hat die ganz komische Geräusche gemacht. In meinem Zimmer hatte ich statt Tapete Teppich an den Wänden. Ich leg mich ins Bett war sofort komplett verschwunden. Da war  eine Matratze, aber offenbar kein Lattenrost. Wir hatten im Laufe der Zeit schon einige merkwürdige Übernachtungsmöglichkeiten.

Sascha: In Dresden waren wir mit Fiddler´s Green unterwegs. Es war Sonntag und es stand noch ein Konzerttag aus. Ich war mit unserem alten Schlagzeuger Flo und dem Soundmann Jürgen auf einem Zimmer und wollte unbedingt fit sein für den nächsten Tag. Deshalb hatte ich die Abende vorher nicht so viel getrunken und wollte einfach schlafen. Die beiden haben geschnarcht wie die Holzfäller und ich kriegte kein Auge zu! Das war Stress, werde ich nie vergessen.

checkbar: Was passiert, wenn ihr in einem kleinen Club vor fünf Leuten spielen müsst?

Peter: Was soll passieren? Das Publikum hat ja Eintritt bezahlt und dann haben die auch das Recht, dafür etwas zu bekommen.

Andreas: Ich sehe das genauso und sich dann mit so einer Lippe hinzustellen ist ja Mist.  Die ganze Arbeit habe ich ja schon vorher gehabt. Man ist früher aufgestanden, hat den ganzen Scheiß mindestens zweimal geschleppt, hat alles aufgebaut,  Songs mitgebracht, lange gewartet…Das ist eine Frage der inneren Einstellung.

Ute: Aber ich hoffe, die Zeiten sind vorbei, in denen wir vor 5 Leuten spielen müssen.

Sascha: Wie enttäuschend wäre das denn für die Leute, wenn sie  vor Ort sind und dann das Geld zurückbekommen?

checkbar: Hat die Musikindustrie eigentlich mal versucht, Euch zu ändern, damit ihr  leichter zu vermarkten seid?

Sascha: Ja!! Wir hatten da mal so eine Agentur. Eines Abends sitze ich mit unserem alten Schlagzeuger Flo und dem Agenturchef auf dem Zimmer. Da hat der  tatsächlich gesagt, ich müsse die Brille ablegen. Kein Problem -könnte ich machen- aber ich lasse mich ja nicht einfach so verbiegen. Und ich müsste mehr mit dem weiblichen Publikum flirten!

Peter: Dabei ist das doch mein Part!

Sascha: Ja genau, und  wenn ich merke, du bist nicht zur Stelle, dann ich! Er wollte mich total nach seinen Vorstellungen verbiegen. Ich habe ihn dann gefragt, ob er sie eigentlich noch alle hätte! Ist zwar schon eine Weile her, aber da könnte ich mich jetzt noch schütteln.

checkbar: Ich muss noch auf den Song Neptune zu sprechen kommen. Der Wassergott hat euch in der Vergangenheit ja schon öfter übel mitgespielt. Aus drei Proberäumen seid ihr schon wegen Wasserschäden ausgezogen. Im Lied kommen aber nur zwei vor.

Ute: Bei dem dritten Proberaum in Castrop hatten wir nicht so ein Mega-Schaden, deswegen hat er keine extra Strophe mehr bekommen. Da hatte es nur ein bisschen rein geregnet, weil die das Vordach weggenommen hatten. Der erste stand richtig unter Wasser. Wie im Lied beschrieben hatte einer im Nebenraum vergessen, den Hahn zu zumachen. Ich wollte samstags irgendwas aus dem Proberaum holen. Eigentlich wären wir erst am Montag wieder da gewesen. Das ganze Wasser kam durch ein Loch in der Wand in unseren Probenraum gelaufen. Und dann sind wir in einen Proberaum in Hochlage gezogen. Eines Tages hat es stark geregnet und gestürmt. Das uralte Wellblechdach war undicht und das Wasser ist im gesamten Proberaum die Wände runter gelaufen. Da war alles voller Schimmel.

Sascha: Du hast mich jetzt auf eine Idee gebracht. Ute, schreib doch noch die Strophe über den dritten Raum, dann machen wir auf dem nächsten Album die Extended Version.

Ute: Oder die Fortsetzung von Neptune, der immer noch voller Zorn ist.

Sascha: Und dann kannst du auch noch über den Wasserschaden im Keller von Flo schreiben, in dem wir unsere CDs gelagert hatten.

Ute: Genau, ungefähr 200 – 300 von den Punch!On-CDs mussten wir entsorgen. Danach habe ich die Nase voll gehabt und den Song geschrieben, damit er uns endlich in Ruhe lässt.

checkbar: Gibt es noch mehr autobiografische Texte von euch?

Ute: „Demons“ zum Beispiel. Das ist aus der Zeit, als uns viele Leute rein quatschen wollten und Gerüchte gestreut haben, um uns gegeneinander aufzuhetzen.
Hat nicht geklappt, wir sind immer noch da!

 
Sascha: Es gibt Songs, die schreibt man aufgrund einer Geschichte, die einem gefällt. Dann gibt es Lieder wie „Nur der Narr“ oder „Elfenstaub“, die sind sehr persönlich. Und dann gibt es natürlich Texte, die auf historischen Fakten wie Störtebecker oder Grace O’Malley basieren. 

checkbar: Ich bin am Ende meiner Fragen angekommen und danke nochmal, dass ihr euch so viel Zeit genommen habt.

Ute: Wir danken dir für Dein Interesse und hoffentlich sehen wir uns am 15.12.18 im Underground in Wuppertal. Punch On!

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